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	<title>Deutsches Kolleg &#187; Zur Zeit</title>
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		<title>August 1999</title>
		<link>http://www.reich4.de/1999/08/august-1999/</link>
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		<pubDate>Mon, 30 Aug 1999 16:44:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DK</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zur Zeit]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Nation]]></category>

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		<description><![CDATA[	Das Rechtsgebot ist der kategorische Imperativ aller politischen und geschichtlichen Subjekte in Krieg und Frieden.
	Das Rechtsgebot lautet: Sei eine Person und respektiere die anderen als Personen! (Hegel, Rechtsphilosophie, § 36)
	Die Mißachtung des Rechts ist das Unrecht, die der Person das Verbrechen.
	Die Person ist das Rechtssubjekt sowohl als einzelner Mensch wie als Menschengemeinschaft, sei diese ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<ol>
<li>Das Rechtsgebot ist der kategorische Imperativ aller politischen und geschichtlichen Subjekte in Krieg und Frieden.</li>
<li>Das Rechtsgebot lautet: Sei eine Person und respektiere die anderen als Personen! (Hegel, Rechtsphilosophie, § 36)</li>
<li>Die Mißachtung des Rechts ist das Unrecht, die der Person das Verbrechen.</li>
<li>Die Person ist das Rechtssubjekt sowohl als einzelner Mensch wie als Menschengemeinschaft, sei diese Familie, Sippe, Gau, Stamm oder Volk.</li>
<li>Ein Volk als Person ist Nation.</li>
<li>Sind in einer Nation die einzelnen Volksgenossen selber Personen und stehen diese in einem allgemeinen Rechtsverhältnis zueinander, tritt zwischen ihnen der Unterschied von Privatpersonen und Staatspersonen ein, der Staatspersonenverband und sein Vorstand sind dann der Staat und seine Regierung, die Einheit der Privat- und Staatspersonen der staatsbürgerliche Verband und die Nation ist Nationalstaat.</li>
<li>Jede Person ist ein Besitzer als Eigentümer oder eine Besitzergemeinschaft als Gemeinschaftseigentümer.</li>
<li>Jedes Recht ist ein Besitz als Eigentum.</li>
<li>Jedes Gesetz ist eine Norm des Besitzes, der besitzbildenden Handlung oder des Besitzers und seiner Gemeinschaften und liegt unterhalb der Personen und ihrer Rechte, die der alleinige Gegenstand der Politik und ihrer Geschichte sind.</li>
<li>Unter den Reichs-Zerteilungsstaaten ist die BRD ein größeres Unrechtsregime als die DDR es je gewesen war.</li>
<li>Die Gründung der Bundesrepublik Österreich (BRÖ) 1945 war ein völkerrechtliches Gemeinverbrechen aller vier Siegermächte des II. Weltkrieges.</li>
<li>Der Völkerrechtsbruch der BRD-Gründung von 1949 fällt allein auf die Westmächte.</li>
<li>Die Ostmacht reagierte mit der DDR-Gründung; sie war ein bloß reaktives Verbrechen gegen das Völkerrecht.</li>
<li>Schuld an der Regierungskriminalität der DDR fällt heute nur noch den Westmächten als den Erstverursachern zu, nachdem die Ostmacht mit dem Staatsuntergang der Sowjetunion die gehörige Strafe bereits erlitten hat und die allfälligen Staatsuntergänge (Götterdämmerungen) der Westmächte noch ausstehen, die sämtlich dem Grundsatz Ein-Volk-ein-Staat widersprechen und dem Selbstbestimmungsrecht der Völker im Wege stehen.</li>
<li>Unrecht und Verbrechen, die Völkerrechtssubjekte sich zuschulden kommen lassen, bestehen allein in der Nichtanerkennung der feindlichen Person und ihrer Rechte.</li>
<li>Die Vernichtung der Staatlichkeit eines Volkes ist immer Mord an seinem daseienden Gott. Es gibt in dieser Sphäre als Unrecht und Verbrechen nur die Verletzung des Rechtsgebotes: jenes kategorischen Imperativs Hegels, der, anders als der Kantische, kein Gesetzesimperativ ist.</li>
<li>Der bloße Unterschied von Freund und Feind ist kein rechtlicher, kein persönlicher und daher auch kein politischer Unterschied.</li>
<li>Das kriegerische Verhalten der Völker ist als naturales Kräftemessen oder reines Ringen um das Überleben unpolitisch und vorrechtlich, also liegt in diesem Verhalten auch bei vorkommender Völkervernichtung kein Völkermord vor.</li>
<li>Als &#8220;gesellschaftlicher Verkehr&#8221; (Clausewitz) ist der Krieg zwischen Staaten oder Nationalstaaten (Völkern als staatsbürgerlichen Verbänden, d.h. reellen Nationen) konfligierende Rechtserzwingung.</li>
<li>Der Krieg als Mittel der Politik ist rechtlich, aber nicht gesetzlich.</li>
<li>Kriminell im Sinne des unverjährbaren, weil von der Geschichte selber zu ahndenden Völkerrechtsverbrechens ist alle deutsche Politik, welche die mittlerweile durch über zehn Millionen fremdvölkische und sogar fremdrassische Zivilokkupanten verstärkte amerikanische Besatzung Deutschlands nicht beendet und nicht die Handlungsfähigkeit des Deutschen Reiches wiederherstellt.</li>
<li>Die BRD figuriert auch formell als Reichsstellvertreter und ist faktisch das in seiner Handlungsunfähigkeit konservierte Dritte Reich und auch deswegen bevorzugtes Ausbeutungsobjekt.</li>
<li>Die BRD ist also das Dritte Reich, aber als handlungsunfähiges Unrechtsgebilde der Westmächte.</li>
<li>Der einzige völkerrechtliche Weg zur Wiederherstellung des öffentlich-europäischen Rechts, also des Kriegs- und Völkerrechts, führt über die innere Legitimität und auch Legalität des Dritten Reiches als Ausgangspunkt für ein Viertes Reich, worin sich die verfassungsgebende Gewalt des deutschen Gesamtvolkes verwirklicht.</li>
<li>Im 20. Jahrhundert ist mit dem zweimaligen Angriff der Randmächte auf die europäische Mittelmacht von europäischer Ordnung und Gesittung kein Stein auf dem anderen geblieben.</li>
<li>Die Wiederherstellung wie erst recht die Fortbildung der europäischen Ordnung, von der immer eine Weltgestaltung ausging, hängt an der Fähigkeit deutscher Staatsdenker und Staatslenker zur geistigen und politischen Neugründung des Reiches.</li>
<li>Insonderheit ist zu hoffen, daß die Initiativen zur nationalen Befreiung jetzt bald zunehmend von Westdeutschen ausgehen.</li>
<li>Bislang wurden alle wesentlichen nationalen Befreiungsversuche von uns Mitteldeutschen unternommen: Der 17. Juni 1953, die Massenfluchtbewegung bis zum 13. August 1961, die nationalrevolutionäre Bewegung von 1968, der bewaffenete Kampf der RAF gegen den US-Imperialismus und seine deutschen Handlanger, die zum 9. November 1989 führende Flucht- und Demonstrationsbewegung, die Volksaufstände von Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen 1992.</li>
<li>Befreiung hat häufig etwas mit Flucht zu tun. Verfassungsrechtlich bietet sich für das Gebilde BRD der Fluchtweg über Österreich und die Schweiz an.</li>
<li>Der Fluchtweg muß aber immer ein zweites Mal, und zwar in umgekehrter Richtung und mit bewaffneter Hand, zurückgelegt werden, soll die Befreiung nicht nur versucht, sondern auch vollendet werden.</li>
<li>Als dank uns Mitteldeutschen und schließlich auch der Russen der Ostblock zusammenbrach, wurde im Westblock behauptet, er selber habe gesiegt und das Ende der Geschichte sei erreicht.</li>
<li>Jedes vorläufige Ende der Geschichte ist aber immer nur ein Sieg der Gegengeschichte über die Geschichte, woraufhin eine Moderne eintritt.</li>
<li>Völkisch betrachtet ist die Moderne die Unterwerfung der Nationen unter den Willen der Antination und kulturell bedeutet sie den siegreichen Sklavenaufstand des Geldes gegen den Geist.</li>
<li>Schon 1844 hat Karl Marx in seiner Abhandlung &#8220;Zur Judenfrage&#8221; schlüssig dargelegt, daß die Geldherrschaft im Kapitalismus nichts anderes als die Verjudung der Christen und damit die falsche Judenemanzipation ist, die Emanzipation der Juden als Juden, aber nicht ihre Emanzipation zu freien Menschen.</li>
<li>Diese Emanzipation der Juden als Juden ist die Fehl-Emanzipation der Christen zum Juden, ihre Befreiung von der Herrschaft des absoluten Geistes, die sie allen Daseinssinns beraubt. Folglich ist jeder wahre Sozialismus die &#8220;Emanzipation der Gesellschaft vom Judentum&#8221; (MEW 1,377), die Adolf Hitler zumindest versucht hat.</li>
<li>Ethnische und rassische Verschmutzung der Nationen einerseits, um sie in der Schürung und Steuerung der daraus folgenden Konflikte in die verherdete Massengesellschaft hinabzudrücken, und Ghettoisierung nach sozialen und rassischen Merkmalen andererseits sind die entsprechenden Treibertechniken in der kapitalistischen Welthirtschaft der Antination.</li>
<li>Die Brechung dieser Welthirtschaft durch den wahren Internationalismus, durch die Solidarität der Nationen gegen die Antination, wird die Selbstbeherrschtheit der Völker, sei es in einherrschaftlicher, bestenherrschaftlicher oder allherrschaftlicher Weise, wiederherstellen, die Moderne beiroden und den Geschichtsstillstand beenden.</li>
<li>Die von Marx 1844 angekündigte Verjudung der Christen ist 1945 auch militärisch real geworden.</li>
<li>Der von der Antination inspirierte Kampf gegen die ethnische Sauberkeit und für die ethnische Verschmutzung der Nationen wird unter wechselnden Titeln wie Menschenrechte, UNO oder NATO von einer Koalition imperialistischer Staaten gegen die wirklichen Völker geführt.</li>
<li>Menschenrechte sind ein Verbrechen gegen die Person, weil sie das Rechtssubjekt durch abstrakte Rechte eines besonderen Tieres, eben des Menschen, ersetzen. Und Abstraktionen in die Wirklichkeit einführen heißt, Wirklichkeit zu zerstören. Der Mord an der Person im Dogma der Menschenrechte ist auch der Mord an jeder Nation, womit der naturalen Vernichtung der Völker Tür und Tor geöffnet ist und die Zeit des Tieres begonnen hat.</li>
<li>Vertreibung wird angewandt, dient sie der Schwächung und Verschmutzung homogener Völker, und sie wird bestraft, wenn sie ethnisch säubert.</li>
<li>Die so erzeugten dauernden Kämpfe zwischen den Nationen, die alle um ihre völkische Sauberkeit ringen, sind das Lebenselement der Antination.</li>
<li>Gleichwohl offenbarte der in diesem Sinne 1999 geführte Kosovo-Krieg der NATO jene klassische Zwickmühle, in der das antinationale System steckt, das zum Opfer der nächsten Revolution auserwählt ist: Ob es einen Sieg oder eine Niederlage davonträgt, es verliert immer.</li>
<li>Der leichte militärische Sieg der NATO über Serbien verwandelte sich in eine besonders demütigende Niederlage vor dem völkischen Prinzip, zugefügt von den albanischen Verbündeten.</li>
<li>Dem Sieg der Nationalisten im Kosovo sollte bald ein Sieg in den deutschen Staaten folgen.</li>
</ol>
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		<title>Offenkundigkeiten</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Feb 1995 17:09:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DK</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zur Zeit]]></category>

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		<description><![CDATA[1. Offenkundig ist, daß jedwedes Offenkundige keiner Vorschrift bedarf, die be­stimmt, daß ein Jeweiliges als offenkundig zu gelten habe. Denn dann wäre es ge­rade keine offene Kunde, sondern eine geschlossene Kunde und also eine amtliche Kundgabe. Kundgegeben muß aber nur werden, was nicht schon offenkundig ist. Es ist dann eine Verkündigung, aber deswegen eben ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>1. Offenkundig ist, daß jedwedes Offenkundige keiner Vorschrift bedarf, die be­stimmt, daß ein Jeweiliges als offenkundig zu gelten habe. Denn dann wäre es ge­rade keine offene Kunde, sondern eine geschlossene Kunde und also eine amtliche Kundgabe. Kundgegeben muß aber nur werden, was nicht schon offenkundig ist. Es ist dann eine Verkündigung, aber deswegen eben keine Offenkundigkeit.</p>
<p>2. Kunde, die vorgeschrieben ist und deren Bezweiflung mit Strafe bedroht wird, kann offenkundig keine Offenkundigkeit sein, sondern nur ein gesetzlich geschütz­tes Dogma der Staatsreligion.</p>
<p>3. Dieser Staatsglaube ist durchaus veränderlich. War es in den 50er Jahren noch übereinstimmende Lehre in Ost und West (und damit wirkliche Weltreligion), daß in Auschwitz sechs Millionen Juden vergast worden seien und galt vom Ende der 60er bis zum Ende der 80er Jahre die (lexikalische) Doktrin von den vier Millionen Ver­gasten, so werden heute nur noch etwa eine Million Vergasungen gelehrt. Der Fran­zose Pressac, ein vom historischen Revisionismus der Weltkirche zurückgewonnener Renegat, darf auch ungestraft bloße 850.000 Vergasungen behaupten und dabei sogar noch offenlassen, ob es sich sämtlich um glaubensrelevante Judenvergasun­gen handelte und wie groß der Anteil der Profanvergasungen in dieser Gesamtzahl sei.</p>
<p>4. Die Deflation der Gaszahlen ist dem Auschwitzglauben offenbar nicht abträglich, weil die an dogmatischer Bedeutung zunehmende Unvergleichlichkeitsdoktrin ihn stützt. Die Unvergleichlichkeit jener immer weniger werdenden auserwählten Ver­gasten nähert sich der absoluten Unvergleichlichkeit jenes einzigen Gekreuzigten auf Golgatha, deren historisch-kritische Revision zu gewissen Zeiten in Europa den Tod auf dem Scheiterhaufen nach sich zog.</p>
<p>5. Der Auschwitzglaube ist die erste wirkliche, den Globus umspannende Weltreligi­on. Er hat die herkömmlichen Weltkirchen zur offenen Unterwerfung durch öffentli­che Anerkennung seiner Glaubensartikel gezwungen. Alle Religion ist immer Heils­geschichte und Unheilsgeschichte gleichermaßen, geschichtsphilosophisch betrach­tet aber der Kampf eines religiösen Volksgeistes um die Weltherrschaft; ist sein Kampf siegreich, wird dieser Volksgeist regierender Weltgeist. Die Epoche von 1789 bis 1989 stellt sich dem jüdischen Weltgeist als Heils­ und Emanzipationsgeschichte dar; die zahlreichen Märtyrerlegenden, die aus Judenverfolgungen produziert wur­den, lassen diese Heilsgeschichte nur um so heller strahlen. Zur unangenehmen Überraschung vieler Deutscher erleben wir seit 1989 den Auschwitzglauben samt dazugehörigem Antigermanismus als ecclesia triumphans. &#8211; Offensichtlich hat die Unheilsgeschichte dieser Weltreligion begonnen.</p>
<p>6. Der Niedergang einer Weltreligion beginnt mit ihrer konfessionellen Spaltung. Die theologischen Feinheiten, die im Auschwitzglauben die Holokaust­Konfession von der Shoa­Konfession trennen, sind dem Uneingeweihten so schleierhaft wie dem Unchristen Luthers Zank mit den Papisten.</p>
<p>7. Der Untergang einer Weltreligion ist kein dramatischer Zusammenbruch, sondern ein bloßes Aufhören der entsprechenden Weltsicht: Die Epoche sinkt in ihren Ur­sprung zurück, die religiöse Sicht fällt zurück in die Tränke, aus der sie aufgespritzt war. Alte Selbstverständlichkeiten werden erkennbar und die zwanglose Offenkun­digkeit kehrt wieder.</p>
<p>8. Dann wird man wieder sehen, was es bedeutete, daß die Westmächte am 24. Januar 1943 in Casablanca die bedingungslose Kapitulation des Deutschen Reiches als Kriegsziel verkündeten und ausdrücklich jede Art von Verhandlungen auch mit einer Nach­Hitler­Regierung ausschlossen: Es war die Mordabsichtserklärung am Deutschen Reich. Offenkundig wird dann wieder sein, daß, wer um sein Leben kämpft, so viele seiner Mörder wie nur möglich mit in den Tod nimmt, daß ein Völ­kerrechtssubjekt, gegen das ein Vernichtungskrieg geführt wird, berechtigt ist, alle feindlichen Geiseln und Gefangenen, die in seiner Gewalt sind, zu töten.</p>
<p>9. Und offen sei verkündet, daß jene Völkerrechtssubjekte, die das Mordkomplott gegen das Deutsche Reich geschmiedet und ausgeführt haben, vor dem Weltgericht der Weltgeschichte zum Tode verurteilt sind. Und daß an dem Mordgesellen Sow­jetunion diese Strafe bereits vollstreckt wurde, ist ja nun wirklich offenkundig.</p>
<p>10. Früher oder später bricht das Weltgericht über uns alle herein: Spätestens am Jüngsten Tag, wenn die Zeit rastet und der Raum rast, wird alles über alle offen­kundig sein. In der Zeitrast des Jüngsten Tages sind alle Toten auferstanden. Ihre Taten, Untaten und Unterlassungen liegen offen zu Tage. Diese Offenkundigkeit ist Himmel und Hölle, ist Heil und Verdammnis eines Jedweden in der ausgebreiteten Vollständigkeit des rasenden Raumes.</p>
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		<title>Wesen und Verfall Amerikas</title>
		<link>http://www.reich4.de/1992/08/wesen-und-verfall-amerikas/</link>
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		<pubDate>Sat, 15 Aug 1992 08:48:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DK</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zur Zeit]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinwesen]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Amerika werde, so hat Hegel zu Beginn des 19. Jahrhunderts vorhergesagt, sich gegen Europa wenden, sobald seine kontinentale Landnahme beendet sei und die offene Westgrenze am Stillen Ozean ihren natürlichen Abschluß finde. Hegels Vorhersage ((&#8222;Amerika ist ... das Land der Zukunft, in welchem sich in vor uns liegenden Zeiten, etwa im Streite von Nord- ...


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<li><a href='http://www.reich4.de/2006/04/die-verkehrte-emanzipation/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Die verkehrte Emanzipation'>Die verkehrte Emanzipation</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Amerika werde, so hat Hegel zu Beginn des 19. Jahrhunderts vorhergesagt, sich gegen Europa wenden, sobald seine kontinentale Landnahme beendet sei und die offene Westgrenze am Stillen Ozean ihren natürlichen Abschluß finde. Hegels Vorhersage ((&bdquo;Amerika ist &#8230; das Land der Zukunft, in welchem sich in vor uns liegenden Zeiten, etwa im Streite von Nord- und Südamerika, die weltgeschichtliche Wichtigkeit offenbaren soll; es ist ein Land der Sehnsucht für alle die, welche die historische Rüstkammer des alten Europa langweilt&rdquo;, schreibt Hegel in seinen Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte (Werke 12, ed. Moldenhauer/Michel, S. 114); in seiner &bdquo;Ästhetik&rdquo; (ed. Bassenge, 2. Bd., S. 423) spekuliert Hegel über ein in Zukunft mögliches Epos, das &bdquo;den Sieg dereinstiger amerikanischer lebendiger Vernünftigkeit&rdquo; den Triumph Amerikas über Europa erzählen könnte. &bdquo;Denn in Europa ist jetzt jedes Volk von dem anderen beschränkt und darf von sich aus keinen Krieg mit einer anderen europäischen Nation anfangen; will man jetzt über Europa hinausschicken, so kann es nur nach Amerika sein.&rdquo;)) hat sich erfüllt. Heute ist Europa amerikanisiert, nachdem es in zwei Weltkriegen nur von Deutschland und seinen Verbündeten verteidigt wurde &#8211; vergeblich, weil England und Frankreich, die außereuropäisch ausgerichteten Kolonialmächte am Westrand unseres Erdteils, sich zu Brückenköpfen Amerikas herabwürdigten. </p>
<p>Gleich nach der Landung auf Sizilien die Staatsverwaltung zu zerstören und die Mafia wieder an die Macht zu bringen &#8211; das war Amerikas Eröffnungszug bei der Eroberung Europas. Die Erzwingung einer zweiten Systemzeit, also die Restauration des Parteiensystems in liberaler und bolschewistischer Variante, war der nächste Schritt zur Ersetzung europäischer Staatlichkeit durch Klassenherrschaft, wobei anfangs noch nachvollziehbare Gesellschaftsklassen, dann die politische Klasse und endlich die Klasse der Lumpen, das organisierte Verbrechen, zur Herrschaft kamen. Fast überall in Europa mehren sich die Anzeichen für Regierungskriminalität, die Macht liegt anscheinend in den Händen einer Koalition aus politischer und krimineller Klasse. Solche Verhältnisse sind aber zutiefst amerikanisch.</p>
<p>Das politische Denken ist am Ausgang des 20. Jahrhunderts im Umbruch von der Utopie zum Topos. Aus Nirgendwo kehren wir heim zum Gemeinplatz. Das Nirgendwo ist das Überall der nomadischen Weltbemächtigung, das <em><strong>ubi bene ibi patria</strong></em> jener Drittweltler, die &#8211; die Einheitswelt preisend &#8211; unter dem Banner der Menschenrechte jedes wohlwirtschaftende Kulturvolk abweiden wollen.</p>
<p>Das Nirgendwo ist überall; als politische Macht will es überall sein und überall herrschen: Es ist Globalinterventionist und Globalimperialist. Diese Macht ist utopische Macht schlechthin, die die Macht der Utopie entfaltet. Die Utopie als Macht ist die Macht der Entortung, die an zeitweisen Hauptlagerplätzen sich sammelt. Derzeitiger Hauptlagerplatz der nomadischen Weltherrschaft ist Amerika. In seiner Wirtschaft dominiert nicht das herstellende Kapital (als Mittel des Unternehmers), sondern das abgrasende Kapital (als Gegenstand des Spekulanten).</p>
<p>Die gegenständliche Kapitalauffassung ist außergeschichtlich und extraktiv-nomadisch; sie ist amerikanisch-jüdisch. Die mittelhafte Kapitalauffassung ist technisch-geschichtlich und seßhaft-herstellend; sie ist deutsch-germanisch. Als Militärmacht ist der nomadische Utopismus ein See- und Lufthüpfer, ein Wüstensturm, ein Waldentlauber und Feldvergifter, seine Taktik ist der Überfall. Die topische, fest verortete Militärmacht hingegen gründet auf dem Heer.</p>
<p>Seemächte wie Amerika sind nie fest begründet; sie schwimmen. So kann es mehrere Landmächte von Weltrang nebeneinander geben, aber immer nur eine Weltseemacht. Das Land gibt Maß, das Meer verführt zur Maßlosigkeit. Jede Seemacht hat das utopische Wesen des Weltmeeres an sich. Diese Mächte neigen außerdem zum parasitären Schiffsnomadismus, der früher oder später auf Grund läuft oder versenkt wird, wodurch die utopische Macht den ihr bestimmten Boden findet: den Meeresboden.</p>
<p>Seemächte sind Imperialisten. Sie bilden unheilige Reiche, weil das Meer keine Heiligtümer kennt, weder Balken hat noch die Himmelssäule trägt. Kein Götterhain und kein heiliger Berg finden sich in diesem Element, keine Ordnung und kein Recht vermögen im Wasser zu wurzeln. Das flüssige Element, wo es nicht im Boden versickert, sondern zur Ungeheuerlichkeit des Meeres sich versammelt, rechtfertigt kein Zutrauen, sondern stetes Mißtrauen im Bewußtsein von der Allgegenwärtigkeit der Gefahr. Dem Meere darf man so wenig vertrauen wie der Seemacht.</p>
<p>Das Meer schafft keinen Glauben, sondern neben seeräuberischer Grausamkeit die Frömmelei wie die Heuchelei. Im anglo-amerikanischen Falle wird sie überwölbt vom kalvinisch-puritanischen Utopismus der Erfolgsheiligkeit, also vom Wahne der Erringbarkeit ewigen Heils im Jenseits durch anschlußvermehrende Gesellschaftstätigkeit im Diesseits. Englands Verschwinden als Welt- und Seemacht kann mit Einschränkungen als paradigmatisch gelten für den Untergang der Vereinigten Staaten von Amerika.</p>
<p>Amerika ist eine ganz besonders utopische Macht, deren Projektionen sich nicht in denen einer klassischen Seemacht erschöpfen; Amerika beschränkt sich nicht auf Krieg, Handel und Piraterie, nicht auf Globalstrategie und ozeanischen Größenwahn, der die Küsten fremder Erdteile als militärisch zu besetzende Gegenküste betrachtet. Erst im Krieg der Sterne, im kosmischen Utopismus von der Schiffahrt im All findet Amerika seinen vollen Wesensausdruck.</p>
<p>Daß Amerika wurde, was es ist, hat mehrere Ursachen. Vor allem ist es Neue Welt und damit der Abfall von der Alten Welt. Amerika ist der Abfall von Europa, versetzt mit Nomaden. Es ist ein Bevölkerungsamalgam aus Philistern und den Vertriebenen des Paradieses, aus entwurzelten Europäern der Unterschicht und aus Ostjuden. Weil aber die größte Einwanderergruppe der Vereinigten Staaten von Amerika nicht die Engländer, sondern die Deutschen sind (28 v.H.), ist der Aufstieg der utopischen Macht der Neuen Welt eine deutsche Schuld gegenüber der Geschichte, die mit zwei verlorenen Weltkriegen und einer gewonnenen Nachkriegszeit noch nicht getilgt ist, sondern erst mit der Europäisierung Amerikas.</p>
<p>Europa muß sich jetzt entamerikanisieren, seine Geschichtsfähigkeit wiederherstellen und die Macht der Utopie brechen, indem es die utopische Macht beseitigt. Die USA sind überwindbar durch Verortung seiner Einwohner in national homogenen Siedlungsräumen, worin sie sich sprachlich und sittlich neu einvolken und zu ihren europäischen Muttervölkem besondere Beziehungen herstellen können.</p>
<p>Es sollte also in Nordamerika nicht nur ein französisches Quebec und ein englisches Neu-England, sondern vor allem Deutschamerika als größten der neuen Volksstaaten sowie bedeutende neu-skandinavische Länder geben. Mit großer Wahrscheinlichkeit, schon auf Grund des Druckes nichteuropäischer Bevölkerungen, werden die wiedereuropäisierten Nationalstaaten Nordamerikas es sich wünschen, in die Weltordnung des Europas der Völker eingegliedert zu werden.</p>
<p>Wenn Deutschland nicht den europäisch-nationalstaatlichen Entwicklungsgang für Amerika erzwingt, werden die USA weiterhin den amerikanischen Weg in Europa und dem Rest der Welt durchsetzen; dann wird Europa auf amerikanische Weise und gemeinsam mit Amerika enden: entweder in einem blutigen Rassenkrieg, gleichzeitig auf beiden Seiten des atlantischen Ozeans, oder in einer stehengebliebenen Gesellschaft des indischen Typs, worin Klassen- und Rassengegensätze sich zu einem Kastensystem verfestigt haben. Die <em><strong>Dekonstruktion Amerikas</strong></em> mitsamt seiner Rekonstruktion ist also nicht nur eine Frage von Sein oder Nichtsein für Deutschland und das Europa der Völker, nicht nur eine allgemeine Entscheidung zwischen Chaos und Ordnung in der Welt und im irdisch zugänglichen Weltraum, sondern auch die Wegscheide von Erstarrung und Entwicklung.</p>
<p>Die Zusammensetzung der amerikanischen Ideologie ist eine verteufelte Mixtur aus Puritanismus, Alttestamenterei, Neuweltlichkeit, Gesellschaftsabsolutismus, Wild -West &#8211; Mythos sowie Missionarismus aus Unterlegenheitsgefühl (wie beim Polonismus und beim Panslawismus der Russen und Serben). Die Ideologie des Amerikanismus ist noch um einige Säuregrade schärfer als der Panslawismus, weil der Amerikanismus über den puritanischen Biblismus das menschheitsfeindliche Auserwähltheitsideologem in sich aufgesogen hat. </p>
<p>Die Pilgerväter waren, als sie nach Amerika auswanderten, Träger einer am europäischen Religionsgeschmack gescheiterten Extremsekte der kalvinistischen Reform. Der Kalvinismus war seinerseits schon ein gescheiterter Reformversuch des katholischen Glaubens, der in die Verabsolutierung der Gesellschaft sich verrannt hatte.</p>
<p>Der Puritanismus ist ein mit Engländern aufgeführter jüdischer Fundamentalismus, der schließlich den bloß ideologischen Juden, den Schiffs- und Kapitalnomaden vom WASP-Typ, entgleiten und in die Hände wirklicher Juden fallen mußte. Jetzt, zum schlechten Anfang vom guten Ende der utopischen Weltmacht, wedelt der Schwanz Israel mit dem Hund USA, der apokalyptische Wüstensturm Jahwes treibt atomare Brandschatzung bei allen Kulturvölkern rund um den Globus. Diese Form nomadischen Gelderwerbs ist jedoch sehr instabil; sie wird bald untergehen, denn die staatliche Nukleardrohung ist mit sehr viel mehr Risiko behaftet als der erwartbare private Nuklearterrorismus.</p>
<p>Scheitert der Vertrag über die Nichtweiterverbreitung der Atomwaffen am Schwarzmarkt, dann ist die außenpolitische Hauptwaffe gegen die Wiederauferstehung des Deutschen Reiches stumpf geworden. Die Verbilligung und Verbreitung taktischer und partisanentaktischer Atomwaffen bei kleinen und existenzbedrohten Mächten, insbesondere aber ihre Popularisierung bei den nationalen Befreiungsbewegungen der staatslosen Völker, die der amerikanische Totalitarismus als Un-Völker behandelt, wird die weltpolitische Blockade gegen Deutschland beenden, weil es als Atom- und Atomordnungsmacht nötig sein wird. Nichtdiskriminierende Atomwaffenverfügung und die ABC-Waffe als allgemeines Wahrzeichen souveräner Völker wird alle disziplinfähigen und technisch hochentwickelten Mächte zur Wahrung der Ordnung in diesem Zustand der Völkerfreiheit unentbehrlich machen. Die Achsenmächte Deutschland &#8211; Japan werden zumindest die technischen Führungsmächte einer Welt sein, in der das Prinzip Ein -Volk &#8211; ein &#8211; Staat mit allen waffentechnischen Freiheiten durchgesetzt ist, mitsamt der nur völkerrechtlich zu ordnenden Gefahren, die aus diesen Freiheiten erwachsen.</p>
<p>Das katholische Dogma hatte die Bibel und besonders das Alte Testament weitgehend vergessen gemacht; eine Europäisierung des Christentums, dieser morgenländischen Religionsvariante, durchgesetzt zu haben, das war unbestreitbares, geistesgeschichtliches Verdienst der Katholischen Kirche. Mit den Übersetzungen der Bibel in die europäischen Volkssprachen durch die protestantischen Reformer drang die Barbarei und der Größenwahn des semitischen Originals in das religiöse Bewußtsein der Europäer ein.</p>
<p>Wo nun die germanische Reform der katholischen Kirche, anders als bei Luther, mißlang, wie in den westeuropäischen Reformvarianten Anglikanismus, Puritanismus und Kalvinismus, dort blieb ein verstümmelter Katholizismus übrig, der die Werkheiligkeit durch die Erfolgsheiligkeit ersetzt hatte und der die Entgemeinschaftung, die Vereinzelung und schließlich das Unheilige Reich, den frömmelnden Imperialismus und globalen Interventionismus, hervortrieb.</p>
<p>In den westlichen Reformversuchen des kalvinischen Typs wurde nämlich das Moment der Gesellschaftlichkeit am menschlichen Gemeinwesen verabsolutiert und der gesellschaftliche Erfolg oder Mißerfolg des Einzelnen zum Beweis seines ewigen Heils oder seiner ewigen Verdammnis genommen. Die gewaltsame Durchsetzung dieser Weltanschauung in ihren religiösen, weltpolitischen und gesellschaftspolitischen Gestalten machte den Weg frei zur Verwandlung der Welt in einen Abfallhaufen. Mittels Kapitalismus und Demokratie werden alle hergebrachten Ordnungen zerstört, die Völker in den Abfallhaufen der Weltbevölkerung und die Volkswirtschaften in den Abfallhaufen der Weltressourcenbewirtschaftung verwandelt.</p>
<p>Kapitalismus und Demokratie haben eine ungebremste Zerstörungskraft, wenn sie nicht von Denkfiguren, die ihnen wesensfremd sind, beschränkt werden und ihre atomistisch-quantitative Eigenart ungestört entfalten können. Diese atomistische Weltsicht konzentriert sich dann ganz und gar auf die Währungseinheiten, in denen Kapitalien und ihre Gewinne, und auf die Stimmenzahlen, in denen demokratische Herrschaftspotentiale und ihre Machtzuwächse gemessen werden. Demokratie und Kapitalismus haben dieses atomistische Quantitätsdenken gemein; es endet in der Zerstörung aller Güter und aller Völker durch ihre Verwandlung in Währungseinheiten und in Stimmbürger. Die Einheitswährung für alle Weltkapitalien und das Einheitsstimmrecht für alle Mitbürger der Weltbevölkerung sind die logische Endstufe der kapitalistisch-demokratischen Denkfigur. In ihr ist eine Demokratie um so berechtigter, je größer die Zahl ihrer Stimmbürger, weshalb Demokratie auch nicht Herrschaft eines Volkes über sich selbst bedeutet, sondern Zerstörung aller wirklichen Völker, die dann sämtlich nur noch als Minderheit angesehen werden (wie heute etwa das Burenvolk), deren Herrschaft über sich selbst unstatthaft sei und sanktioniert werden müsse.</p>
<p>In Amerika ist diese Schreckliche Neue Welt wirklich geworden. Dem Schrecken ohne Ende folgt in der Regel ein Ende mit Schrecken. Dieser größte Schrecken steht der USA noch bevor. Der sittliche und wirtschaftliche Niedergang wird solange anhalten, wie man diesem größten Schrecken aus dem Wege zu gehen versucht: dem Rassenkrieg als Bürgerkrieg. Der rechte Zeitpunkt für eine Kantonalisierug der USA ist anscheinend schon versäumt.</p>
<p>Das beste Ende der USA wäre ihre Europäisierung, wäre die Zerlegung der totalitären Einheitsgesellschaft vom individuell-liberalistischen Typus in souveräne Volksstaaten, d. h. in reelle Nationen nach dem Grundsatz Ein &#8211; Volk &#8211; ein &#8211; Staat. Das schlechteste Ende der USA wäre der Rassenkrieg, der, aller Wahrscheinlichkeit nach, natürlich-rassisch definierte Neuvölker ausschmelzen würde und keinen geschichtlich-kulturellen Anschluß an die Muttervölker brächte. Vom Ende der USA erleben wir heute einen schlechten Anfang: Der demokratische Kapitalismus scheint weltweit zu triumphieren.</p>
<p>Gleichzeitig unternehmen seit einigen Jahren amerikanische und kanadische Denker den Versuch einer geistigen Selbstheilung ihres Halbkontinents. Gesammelt haben sie sich unter dem Schlagwort des Kommunitarismus, also dem der Gemeindlichkeit, der kommunalen Gemeinschaft. Sie berufen sich auf den Geist der Gemeinschaft jener frühen Kommunen der Pioniere aus der Landnahmezeit.</p>
<p>Der Kanadier Charles Taylor bemängelt das Defizit an Repräsentation in der liberalen Demokratie und postuliert im Anschluß an Herder, Humboldt und Hamann den Primat des Metaphorischen im Gemeinwesen, das er als sprachlich zum Ausdruck findende Menschenvergemeinschaftung auffaßt. Er wendet sich philosophisch gegen den Falsifikationismus wie gegen das materielle Sender-Empfänger-Modell der Sprache, die ihm eine Findungsgemeinschaft ist, ein ununterbrochenes Zur-Sprache-Finden. Den dinglichen Wirklichkeitsbezug der Sprache sieht er durch die menschliche Aktivität gewährleistet. Daran ist soviel richtig, daß die Spracherzeugung ganz wie jede Menschen- und Volkserzeugung einer Zeugungslogik folgt, die immer eine Gemeinschaftslogik ist, aus der die Herstellungslogik der dinglichen Güter sich ableitet.</p>
<p>Andere Namen der kommunitaristischen Debatte sind Alsdair MacIntyre, William Sullivan, Michael Sandel, Robert Bellah und Michael Walzer. Ihre gemeinsame Überzeugung ist es, daß das Wesen der ungelösten Gegenwartsfragen in den westlich geprägten Ländern nur durch Rückbesinnung auf den Begriff der Gemeinschaft in den Blick zu bekommen sei. Der Gegenwart attestieren sie, eine Periode beschleunigter Vereinzelung zu sein, welche immer destruktivere Folgen zeitige und die amerikanischen Institutionen schwäche und zersetze. &quot;Die Amerikaner&quot;, schreiben Bellah u. a., &quot;haben die Logik der Ausbeutung so ziemlich bis zum Äußersten getrieben. Es hat den Anschein, daß das nicht nur zum Scheitern auf höchsten Ebenen führt&#8230;, sondern auch zum persönlichen und familiären Zusammenbruch im Leben unserer Bürger. Die Zeit ist reif für ein neues Paradigma, dessen Grundmuster auf Kultivierung und nicht auf Ausbeutung zielt. &bdquo;Es komme auf die Wiedergewinnung von Sinn und Zielen im Zusammenleben der Amerikaner an. &quot;Was über lange Zeit als Idealismus abgetan worden ist, scheint heutzutage der einzig mögliche Realismus zu sein &#8230;&rdquo; (<em>FR</em> 28. l. 92).</p>
<p>In den Begriffen Hegels heißt das, die Amerikaner in ihrer derzeitigen individualistischen Verfassung verharren auf den Entwicklungsstufen des abstrakten Rechts und der Moralität, die Hochebene der Sittlichkeit bleibt für sie unerreichbar. Auf der Stufe der Moralität ist das Recht verinnerlicht und insoweit nicht mehr abstrakt, dafür aber den wilden Wünschen dieser Innerlichkeit ausgeliefert. Erst in der Familie sind diese Wünsche sittlich, weil das Individuum in dieser durch Liebe gestifteten Gemeinschaft aufgehoben ist, hier seinen individuellen Betätigungsdrang sowohl ausleben als auch einem sittlichen Ziel, dem Gemeinschaftsziel des Familienwohls, unterordnen kann. Daß es eine Familie in diesem europäischen Sinne in Amerika nicht gibt, sondern lediglich private Gesellschaftsverträge, zeigt schon die Tatsache, daß ein amerikanischer Farmer seinem mitarbeitenden Sohne Arbeitslohn zahlt; sobald zwischen Eheleuten oder Eltern und Kindern Vertragsverhältnisse eintreten, ist die Ehe realiter geschieden und die Familie aufgelöst.</p>
<p>Der amerikanische Liberalismus denkt das Individuum, wie William Sullivan in seinem Buch <strong>&bdquo;<em>Reconstructing Public Philosophy</em>&rdquo;</strong> (Berkeley 1982) ausführt, als von seinen Leidenschaften getrieben, in Furcht vor Mißgeschick und im Streben nach Bequemlichkeit, so daß alle menschlichen Beziehungen seiner Persönlichkeit äußerlich bleiben, im abstrakten Recht, also unsittlich. Dadurch würden Gemeinschaftsbeziehungen (die Sullivan Werte nennt) aufgelöst und in reine Machtbeziehungen verwandelt. Dem entspreche ein Begriff vom Wissen als der Auflösung komplexer Ganzheiten in einfache Elemente, weshalb der Liberalismus dem modernen Glauben an die Wissenschaft als einer Macht der Analyse und Rekombination zu Kontrollzwecken eng verbunden sei. In dieser sozialen Anwendung sei die Vernunft instrumentell geworden, ein Mittel zur Befriedigung individueller Wünsche, und Politik zum Machtkampf entartet. Weil aber die Vernunft kein Mittelbegriff, sondern ein Zielbegriff, und die Politik kein Machtbegriff, sondern ein Rechtsbegriff ist, folgt aus Sullivans Analyse sowohl die Unvernunft als auch die Politikunfähigkeit des Liberalismus im allgemeinen und Amerikas im besonderen.</p>
<p>Sullivan resümiert: &bdquo;The whole liberal construction of an analytic science, an individualistic motivation, and an instrumental, utilitarian politics, which has seemed a complete and objectiveley secured &#8211; almost self-evident &#8211; view of human affairs, is now at sea.&rdquo; ((Übersetzung durch die Redaktion: &bdquo;Die ganze liberale Konstruktion einer analytischen Wissenschaft, einer individualistischen Motivation und einer instrumentellen, nützlichkeitsorientierten Politik, die eine umfassende und objektiv gesicherte &#8211; beinahe sich selbst beweisende &#8211; Auffassung von den menschlichen Angelegenheiten zu sein schien, ist nun ins Schwimmen geraten.&rdquo;)) (p.28) &#8211; Amerika schwimmt, es ist &bdquo;at sea&rdquo;, d. h. grundlegend verwirrt. Die Dynamik des Zersetzungsprozesses weist Sullivan zufolge in Richtung der Auflösung aller sozialen Bindungen und im Extremfall zurück zum Naturzustand des Kampfes aller gegen alle; &bdquo;the near desperation of the proponents of philosophic liberalism is understandable&rdquo; ((Die schiere Verzweiflung der Vertreter des philosophischen Liberalismus ist verständlich)) (p. 58). Die Vorherrschaft der liberalen Ideologie in der öffentlichen Debatte verschlimmere das Problem: Die marktzentrierte Gesellschaft der Konkurrenz und der Erfolgsheiligkeit habe die liberale Errungenschaft der Sicherheit des Einzelnen und der allgemeinen Wohlfahrt unterhöhlt, und zwar durch nichts anderes als das Wirken des Liberalismus selber. Sullivan hält dagegen, daß der Einzelne und der Bürger nur zusammen mit dem commonwealth, dem Gemeinwesen, gedacht werden und ein menschliches Zusammenleben ohne die stabilisierenden Effekte einer lebendigen Gemeinschaft und ohne religiöse Lebensformen nicht gelingen könne.</p>
<p>In den Theorien der nordamerikanischen Kommunitaristen zeigen sich schon die religiösen Sollbruchstellen im vorhersehbaren Staatsuntergang der USA. Hauptunterschiede lassen sich zwischen klassisch-aristotelischer, katholisch-aristotelischer, deutsch-idealistischer und modern-judaistischer Denkrichtung ausmachen. Alle nicht-judaistischen Denker sind Modernismus-Kritiker, der amerikanische Jude Michael Walzer dagegen trägt den Gesellschaftstotalitarismus, die Einwanderungsideologie und den Kult der Moderne in die kommunitaristische Debatte hinein. Er meint, daß sich die politischen Ideen der Moderne aus einem Überlieferungsstrom herleiteten, der sich bis zu den Ursprüngen der jüdischen Religion zurückverfolgen lasse, und er meint dies völlig zu Recht. Die moderne Freiheitsidee sei nichts weiter als eine interpretierende Fortschreibung der Exoduserzählung der hebräischen Bibel, und der Gesellschaftsvertrag des Aufklärungsdenkens sei nach dem Muster der israelitischen Vorstellung vom Bunde Gottes mit seinem Volk entworfen. Daraus folgt für Walzer das Konzept einer <em><strong>interpretativen Moral</strong></em> für die Welt der Gegenwart ((Ein Vertreter der interpretativen Moral ist der polnische Jude Andrzej Szczypiorski. In der Tiefdruck-Beilagc der FAZ vom 31.3.92 behauptet er, es gebe keine verbrecherischen Anschauungen, sondern nur verbrecherische Taten, und alles sei eine Frage der Interpretation. Insbesondere seien die kommunistischen Anschauungen nicht verbrecherisch, sondern auch edel&quot;, weil der Kommunismus Gleichheit vertreten und nationale Begrenzungen verworfen habe. Da nun aber sowieso alles eine Frage der Interpretation sein soll, kommt es gar nicht mehr darauf an, ob Verbrechen begangen wurden oder nicht, sondern ob etwas als Verbrechen interpretiert werden kann. Umgekehrt ist dann ein dokumentierter siebenfacher Völkermord keineswegs ein Verbrechen, wenn der Interpret der Anschauung ist, das sei Gottes Gebot zur Einnahme des Gelobten Landes.)) insgesamt, also ihre Talmudisierung. Damit stellt er den derzeitigen Geisteszustand der amerikanisierten Welt &#8211; die ewige Interpretation einer ruhelosen Wanderung &#8211; als erstrebenswertes Ziel dar; folglich ist Walzers Denken nicht kritisch, sondern affirmativ. Walzers Dreh, sein Denken doch noch als kommunitaristisch-gemeinschaftsbildend darzustellen, besteht darin, die liberalen Gesellschaften des Westens, also den Gesellschaftstotalitarismus selber, als Wert von gemeinschaftsstiftender Kraft auszugeben, der in ständiger Interpretation seiner ahasverischen Wanderungsgeschichten zu überliefern sei. Eine solch interpretative Erkenntnistheorie anzuerkennen hieße, den Talmudisten einen ewigen Sieg im Weltbewußtseinskrieg zuzugestehen.</p>
<p>Sind die Kommunitaristen noch insgesamt als Kritiker amerikanischer Zustände anzusehen, so die Kontraktualisten (z.B. Nozik, Rawls) als deren offene Affirmatoren. Jedes absolute Vertragsdenken kommt zum Ideal des Minimalstaates und endet vor dem Problem, der verelendeten Masse, der anschwellenden Sozialklientel, eine Form der Subsistenz zu gewähren, die nicht in <em><strong>food stamps</strong></em>, sondern in Geldzahlungen besteht, so daß bei ihnen über die Geldillusion und die (minimalisierte) Zugehörigkeit zur Konsumentenklasse eine kontraktualistische Ethik, also der freie Warenerwerb, zumindest formell aufrechtzuerhalten ist.</p>
<p>In Amerika hat der Klassenkampfgedanke nie wirklich Fuß fassen können, weil der Rassenkampf um diesen riesigen Raum sinnlich faßbar blieb: gegen Indianer, Neger und nichteuropäische Einwanderer. Umgekehrt kann der Rassenkampf aus dogmatischen Gründen völlig verneint werden (wie dies in der ehemaligen Sowjetunion tatsächlich der Fall gewesen war), er wird trotzdem mit Macht wieder hervorbrechen, denn jedes geschichtliche Klassenkampfkonzept im Sinne des Gesellschaftstotalitarismus bleibt auf den natürlichen Unter<em><strong>schied</strong></em> der Menschen angewiesen, um zwischen ihnen einen Unter<em><strong>scheid</strong></em> treffen zu können. Als Warenbesitzer und damit als Teilnehmer der bürgerlichen Gesellschaft unterscheiden sie sich nicht, vielmehr gleichen sie sich, denn am Markt ist eine Ware wie die andere und geringe Wertgröße des Warenindividuums ist durch Warenmasse aufzuwiegen. Der Kampf der Warenklassen gegeneinander wird zwar um die Maximierung der Wertgrößen geführt, dient also der Bestimmung des realen Tauschverhältnisses und seiner Normen, kann sich aber nicht an den identischen Verkehrsformen der Waren ausrichten, sondern allein an ihren nichtidentischen Naturalformen. Eine dieser Naturalbestimmungen an den Gütern und Vorgängen ist die Rasse, aber auch die Menschlichkeit, die Schönheit, die Natürlichkeit und Umweltverträglichkeit, der Artenschutz, die Haltbarkeit, die technische Reife, die Pflegebedürftigkeit oder die Humanisierung der Arbeitsplätze. Weltgeschichtlich ist denn auch Klassenideologie von Rassenideologie wiederholt abgelöst worden.</p>
<p>Der größte Teil der US-Bevölkerung wurde gebildet &#8211; ganz im Gegensatz zur ehemaligen SU-Bevölkerung &#8211; aus der Addition von Individuen, die, eines nach dem anderen, durch den Filter der Einwanderungsbehörden der großen Hafenstädte hindurchgegangen sind. Diese Individuen waren entwurzelt und, was das Entscheidende ist, sie hatten sich in einem Willensakt selbst entwurzelt. In Amerika bevorzugen sie zwar die Nachbarschaft von Einwanderern gleicher oder verwandter Volkszugehörigkeit, bilden also mehr oder weniger scharf abgegrenzte nationale Ghettos, die aber bislang nicht die Kraft haben, zu dem Boden eine ausschließliche Bindung, eine Heimatbindung eben, zu entwickeln. Solange die Nachkommen der ehemaligen Einwanderer auch in Amerika entwurzelt leben, ohne eine besondere, stammesmäßig und völkisch definierte Beziehung zu dem Land, auf dem sie siedeln, zu einer besonderen Heimat von fremdausschließender Kraft, behält Amerika den Charakter eines Einwanderungslandes. In diesem Sinne bedeutet ein Einwanderungsland immer Heimatlosigkeit in dem Land, in dem man wohnt und dessen Bürger man ist.</p>
<p>Nur ein Einwanderungsland konnte die formelle Staatsnation erfinden, also die abstruse Vorstellung entwickeln, man werde durch einen behördlichen Akt, durch die Erlaubnis, innerhalb eines Territoriums sich niederzulassen, zu einem Volksgenossen. Die entsprechenden Vorstellungen im Frankreich von 1789 ff. sind amerikanischer Import durch freimaurerische Ideenhändler.</p>
<p>Amerika behandelt die Gesellschaft als eine Ansammlung von Gruppen, den Staat aber als Summe einzelner Bürger. Der amerikanische Staat ist somit eine Einrichtung des abstrakten, äußerlichen Rechts, die aus Bürgern als Trägern von Menschenrechten besteht, und die amerikanische Gesellschaft ist das Kampffeld der Gruppenbelange. Beide sind vorsittliche Erscheinungen, die es bestenfalls zur Moralität bringen. Die Existenzmöglichkeit der USA bleibt erhalten, solange die scharfe Scheidung von Staat und Volk beibehalten werden kann. Schon ein souveräner Volksstaat Quebec könnte die Staatsräson der USA, wonach Volksgruppen immer nur freiwillige Gesellschaftsverbände sein dürfen, ins Wanken bringen. Der amerikanische Staat ist utopische Macht und der Versuch, die unsittliche Idee der über die Völker sich erhebenden Staatssouveränität zu verwirklichen. Das Experiment USA kann schon heute als gescheitert gelten. Die tatsächliche Selbstzerstörung des US-Staates bedarf einerseits stärkerer Stöße als der Zerfall des SU-Staates, wird andererseits aber aller Wahrscheinlichkeit nach weit schmerzhafter und blutiger verlaufen, weil der Liberalismus, im Unterschied zu seinem kleinen radikalen Bruder, dem Bolschewismus, noch nicht einmal zu einer Scheinlösung der Nationalitätenfrage gekommen ist.</p>
<p>Das Einwanderungsland USA, das seine eigene Entstehungsbedingung der Welt als Doktrin aufzwingt, ist der Todfeind aller gewachsenen Völker, weil seine Doktrin auf nichts anderes als auf den Volkstod dieser Völker zielt. Zu diesem Zweck hat die amerikanische Gesetzgebung schon im 19. Jahrhundert die Selbstbefreiung vom Vaterland, die Entvaterlandung der in Amerika anlandenden Einwanderer, zum Naturrecht eines jeden Menschen auf diesem Erdball deklariert: &quot;Expatration is a natural and inherent right of all people&quot; ((&bdquo;Die Entvaterlandung ist für jedermann ein natürliches und angeborendes Recht.&rbquo;)) (Act of Congress of July 27, 1868). Diese amerikanische Vernichtungsstrategie gegen die wirklichen Völker, geführt im Namen demokratisierter Massen, hat heute den Höhepunkt seiner Angriffslust erreicht: Ein europäisches Land nach dem anderen definiert die amerikanisierte Weltmeinung zum Einwanderungsland um. Unter ihrem allgegenwärtigen Zwang wagt es keine europäische Regierung, das <em><strong>Jus sanguinis</strong></em> ihrer Staatsangehörigen zu verteidigen; stattdessen wird die Politik des amerikanischen Immigrationismus vollzogen, und zwar ohne die Qualifikationsanforderungen der wirklichen Einwanderungsländer. Ergebnis ist das Einströmen der Minderwertigen dieser Welt nach Europa. Das heißt nichts anderes als die Erklärung eines völkischen Vernichtungskrieges: <em><strong>unconditional surrender</strong> (bedingungslose Kapitulation) </em>für alle reellen Nationen der Welt, die noch keine amerikanisierte Einzelwillensnation sind.</p>
<p>Die natürlichen Völker der Welt täten gut daran, die amerikanische Todesdrohung ernst zu nehmen. Wie die verblichene SU-Macht, so wollte auch die US-Macht zuerst die Weltrevolution, dann die Revolution in einem Land (&quot;Sozialismus in einem Land&quot;) und schließlich deren Export in möglichst alle anderen Länder, damit ein sozialistisches bzw. immigrationistisches Weltsystem entstehe.</p>
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		<title>Todsünden der Moderne</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Jan 1989 13:00:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DK</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zur Zeit]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
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		<description><![CDATA[Jede Zeit besitzt ihre besonderen Sünden und ihre eigentümlichen Tugenden. Die öffentlichen Sündenregister, die eine Epoche über sich selber führt, enthalten dabei stets nur die Umkehrungen ihrer offiziellen Tugendkataloge. Im Nachhinein stellt sich aber immer wieder heraus, daß diese Umkehrungen umgekehrt werden müssen und die wahren Todsünden der Zeitalter in ihren Tugendkatalogen aufgezählt sind. ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jede Zeit besitzt ihre besonderen Sünden und ihre eigentümlichen Tugenden. Die öffentlichen Sündenregister, die eine Epoche über sich selber führt, enthalten dabei stets nur die Umkehrungen ihrer offiziellen Tugendkataloge. Im Nachhinein stellt sich aber immer wieder heraus, daß diese Umkehrungen umgekehrt werden müssen und die wahren Todsünden der Zeitalter in ihren Tugendkatalogen aufgezählt sind. Nicht an ihren Lastern sind die großen Kulturen untergegangen, sondern an ihren Tugenden.</p>
<p>Nun beginnt auch die Moderne zu modern, aber die Postmoderne ist nicht nur der Moder, sondern auch das Perfekt der Moderne, die als Futurismus begann, im Präsentismus sich fortsetzte und als Vergangenheitsbewältigerin endete. Insofern die Postmoderne die Vergangenheit mit den neuen Techniken perfektioniert, ist sie das Plusquamperfekt der Moderne. Da sie alles perfektioniert, werden auch die guten alten Tugenden wie Toleranz, Vorurteilslosigkeit und Gleichheit nicht verschont. Die vollendete Tugend aber ist der Terror.</p>
<p><strong>TOLERANZ</strong> ist jene Haltung, die abweichende Meinungen und Lebensstile erträgt, ist die Duldung einer fremden Religion, einer fremden Politik, überhaupt von Fremden im eigenen Land.  Die totalitäre Toleranz toleriert die Vernichtung der Toleranz, indem sie die Intoleranz austreibt. Nur, wen ich nicht dulden muß, den kann ich dulden. Der Kern der Toleranz ist die Freiheit und Macht zur Intoleranz. Die Intoleranz gegenüber den Geduldeten wird unmöglich, wenn diese das Recht bekommen, zu tun, was bislang bloß geduldet war. Auf diese Weise ist aus unserer Zivilisation die religiöse Toleranz verschwunden, seit die abweichende Religionsausübung zum Grundrecht befördert wurde. Daß keine religiöse Toleranz herrscht, wird sichtbar werden, sobald die religiöse Indifferenz verschwindet. Fehlt die Macht, nicht vorhandene Toleranz durch den Akt der Nichtduldung auszudrücken, entsteht die ohnmächtige Unduldsamkeit: das Ressentiment. Die Geschichte lehrt, daß die Folgen der Toleranzvernichtung durch Rechtsverleihung an ehemals Geduldete vernichtend sein können, sobald das Ressentiment die Macht ergreift und die erschlichenen oder zugeschanzten Rechte kassiert.</p>
<p><strong>VORURTEILSLOSIGKEIT</strong> ist inzwischen so total durchgesetzt, daß die Wortführer der zugespitzten Moderne nachgerade überhaupt kein Vorurteil mehr tolerieren außer dem einen, daß man keine Vorurteile haben dürfe. Du sollst kein anderes Vorurteil haben neben mir! spricht die Vorurteilslosigkeit. Seitdem sind Urteile selten geworden. Denn wer die Definitionsmacht für die Anforderungen hat, die an eine gültige Urteilsbegründung gestellt werden müssen, kann jedes Urteil in die Gefahr bringen, auf dem Scheiterhaufen der kritischen Kritik als Vorurteil verbrannt zu werden. Dies droht allen, die nicht werden wie die Kinder, also vorurteilslos. Aber der den Kindern nachgerühmte Mangel an Vorurteilen ist nur ein Teil ihres mangelnden Urteilsvermögens überhaupt. Die Moderne hat das Infantile zum Ideal erhoben. Ein leidlich erwachsener Mensch dagegen pflegt seine Vorurteile: er weiß, daß er nur weniges wissen kann und nichts hoffen darf. Aber was soll er tun? Nur jenes Vorurteil zu einem Urteil vertiefen, das er auch vollstrecken kann!</p>
<p><strong>GLEICHHEIT</strong> der Menschen ist ihre vollendete Gleichgültigkeit. Als isolierte Errungenschaft der Moderne ist die Gleichheit der Tod der Freiheit und des Rechts. Menschen sind nur gleichheitsfähig, insofern sie Rechte haben und daher Personen sind. Alle Rechte sind ein Bündel qualitativer und quantitativer Ungleichheiten mitsamt einer gemeinsamen Qualität: dem Eigentum. Der Mensch als Mensch ist immer ein Ungleicher, ein Besitzer höchst verschiedener Eigenschaften, Schicksale und Güter. Der Mensch als zur Gleichheit Befähigter aber ist Person, und als solche Besitzer, welcher Eigentümer ist. Nur als Eigentümer sind die Personen sich alle gleich, aber selbstredend nicht im quantitativen, sondern im qualitativen Sinne: Eigentum ist die Dimension, in der die Personen gleichheitsfähig sind und miteinander auf dem Fuße quantitativer Gleichheit verkehren können, indem sie Besitztümer gleicher Eigentumsgröße austauschen. Das Reich der Gleichheit ist in der ökonomischen Sphäre der Preis, der den Gütern zugemessen wird, in der psychologischen Sphäre die Bedeutung, welche die verschiedenen Bedürfnisse haben. &#8211; Eine gedankenlose Verallgemeinerung der Gleichheit ist die Forderung nach gleichen Rechten. Sie kann, theoretisch und praktisch ernstgenommen, immer nur zu einem <em>Armenrecht</em> führen. Dieses Armenrecht ist aber schon lange verwirklicht. Es ist als geistiges Armenrecht mit der individuellen Meinungsfreiheit, als ökonomisches Armenrecht mit der Sozialhilfe und als politisches Armenrecht mit dem gleichen Wahlrecht für alle durchgesetzt und hat zur Massengesellschaft statt zur Volksherrschaft geführt.</p>
<p>Die <strong>NICHTDISKRIMINIERUNG</strong> ist eine gute alte Tugend, deren lebensweltliches Wirken darin in Erscheinung tritt, daß schöne junge Mädchen immer mit weniger schönen ausgehen, kluge und starke Männer gern weniger kluge und starke um sich scharen und die guten Menschen mit Vorliebe sich um die weniger guten kümmern. Voraussetzung dieses erfreulichen Zuges der Menschen ist allerdings die Fähigkeit der Diskriminierung, die das Häßliche vom Schönen, das Dumme vom Klugen usw. abwertend unterscheidet; Diskriminierung ist die kulturelle Kardinaltugend schlechthin, die erst die Tugend der Nichtdiskriminierung ermöglicht: den Häßlichen, Dummen und Schwachen sagt man nicht noch, was sie sind, weil sie es vermutlich selber wissen. Wird aber die Nichtdiskriminierung zur Pflicht-Norm, verwandelt man die tolerante Diskriminierung in die intolerante Nichtdiskriminierung; nur noch die Diskriminierung ist diskriminiert, also das Bewertungsvermögen herabgesetzt. Anti-Diskriminierungsgesetze ruinieren das kulturelle Unterscheidungsvermögen und vernichten auf lange Sicht die elementare Wertordnung einer Gesellschaft.</p>
<p><strong>EMANZIPATION</strong>, die Befreiung des Menschen aus selbstverschuldeter Unmündigkeit, ist ein Schibboleth der perfektionierten Moderne. Ist die Unmündigkeit aber selbstverschuldet, so war sie gewollt, also ein Akt der Freiheit, der Person, des Menschen als Rechtssubjekt. Die Ehe z.B. ist, wie Hegel das richtig ausdrückt, “die freie Einwilligung der Personen&#8230;, <em>eine Person</em> auszumachen“ (Rechtsphilosophie, § 162). Nicht die Emanzipation ist die wahre Befreiung des Menschen, sondern die <em>Remanzipation</em>, die wechselseitige Überantwortung und Aushändigung der Personen aneinander führt sie zur sittlichen Einheit und Selbstverwirklichung: ihrem Gattungswesen. Die Emanzipation im heute herrschenden Vulgärverstand endet und verendet im Ein-Personen-Haushalt.</p>
<p><strong>FREIZÜGIGKEIT</strong> für Menschen, Waren und Ideen gilt heute als politische, ökonomische und geistige Kardinaltugend des Westens, die sich tatsächlich hoher Popularität auch bei den Menschen nichtwestlicher Zivilisationen erfreut. Der Versuch, mit dieser Kardinaltugend zumindest im EG-Rahmen  1992 Ernst zu machen, wird die Ordnung Europas so schwer erschüttern, daß es seinem letzten und stärksten Utopismus, dem der Vereinigten Staaten von Europa, abschwören muß. Auf schmerzhafte Weise wird man daran erinnert werden, daß die menschlichen Dinge und die Tugenden allzumal nur bleiben, was sie sind, wenn sie ihr Maß behalten. Hieß es früher „ein Volk, ein Reich, ein Führer”, so wähnt die Euro-Euphorie, „ein Markt, eine Grenze, eine Währung” bringe das Heil. Dieses Heil wird schon deswegen nicht über uns kommen, weil eine unkontrollierte Freizügigkeit zur Majorisierung und Identitätsvernichtung der kleinen Völker in Westeuropa führen würde. Die Popularität der marktwirtschaftlichen Ordnungsidee wird gerade nicht die geistlose Freihändlerei und auch nicht die uneuropäische Idee vereinigter Staaten mit Souveränitätsabtretung an supranationale Instanzen fördern, sondern die völkerrechtliche Großraumordnung, die weitere Ausdifferenzierung nationaler und regionaler Märkte. Denn nicht nur wollen immer mehr Individuen immer umfassender am Marktgeschehen teilnehmen, sondern auch immer mehr und immer besser unterschiedene Stämme, Völker und Völkerfamilien, die ihrerseits Freizügigkeit, also Handlungsfähigkeit, in Anspruch nehmen werden.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Sind die deutschen Parlamente noch zu retten?</title>
		<link>http://www.reich4.de/1988/07/sind-die-deutschen-parlamente-noch-zu-retten/</link>
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		<pubDate>Sun, 10 Jul 1988 15:29:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DK</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zur Zeit]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Parlament]]></category>
		<category><![CDATA[Verfassung]]></category>

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		<description><![CDATA[Die deutschen Parlamente sind im 20. Jahrhundert zweimal gerettet worden: durch die Niederlagen des Deutschen Reiches von 1918 und 1945. Eine als Niederlage definierte Lage ist von größtmöglicher Eindeutigkeit: Der Sieger hat das Defini­tionsmonopol. Aber sie kann nicht verewigt werden, auch dann nicht, wenn nur der militärische, nicht aber der psychologische Teil des Krieges ...


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			<content:encoded><![CDATA[<p>Die deutschen Parlamente sind im 20. Jahrhundert zweimal gerettet worden: durch die Niederlagen des Deutschen Reiches von 1918 und 1945. Eine als Niederlage definierte Lage ist von größtmöglicher Eindeutigkeit: Der Sieger hat das Defini­tionsmonopol. Aber sie kann nicht verewigt werden, auch dann nicht, wenn nur der militärische, nicht aber der psychologische Teil des Krieges eingestellt ist, wie seit der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht im Jahre 1945. Weil der Parlamentarismus auf solche Weise in Deutschland gerettet wurde, hört das Zittern und Zagen um ihn bis heute nicht auf.</p>
<p>Heute ist der Parlamentarismus gefährdet, und zwar weil er herrscht. Die west­deutsch-österreichische Parlamentsherrschaft bezieht ihre Legitimation aus Mit­teldeutschland, das die triviale Tatsache zur Anschauung bringt, um wie vieles schlechter es sich unter einer orientalischen Despotie des bolschewistischen Typs lebt. Der Parlamentarismus, der über den rheinbündisch-ostmärkischen Teil des deutschen Volkes herrscht, wird von Souverän nicht beherrscht. Die Par­lamente sind die Herren des augenblicklichen Zustands; das Volk dient den Parlamenten, statt sich ihrer zu bedienen.</p>
<p>Der Schutz der Parlamente vor der Instrumentierung durch das Volk obliegt den Parteien, die dafür von den Parlamenten bezahlt werden. Beklagt sich das Volk, der angebliche Souverän, beim Parlament über Ignorierung seiner Wünsche, wird es zur Mitarbeit in die Parteien geschickt, meldet es aber bei den Parteien seine Forderungen an, wird es auf die Parlamentswahlen verwiesen. Dieses politische Spiel vollzieht sich nach den taktischen Regeln des Häuserkampfes, wonach ge­genüberliegende Fassaden sich wechselseitig Feuerschutz geben, Parlamentarismus ist nicht gleichzusetzen mit allgemeinem und gleichem Wahl­recht, mit individueller Meinungsfreiheit, mit Pressefreiheit, mit Gewerbefreiheit, mit Volkssouveränität, mit Demokratie, mit Parteienstaat und auch nicht mit parlamentarischer Regierungsbildung. Die unglaubliche Begriffsverwirrung, die auf diesem Gebiet herrscht, hat die Politologen-Zunft angerichtet, die das Westzo­nen-Pendant zu den leninistischen Indoktrinationskadern in der russischen Zone darstellt. Aber erscheint das, was die Politiker tun, immer weniger glaubwürdig, so jenes, was die Politologen publizieren, kaum noch wissenswürdig, Die Institute für Marxismus-Leninismus wie für Politologie dienen der andauernden Zerstörung des Revolutions- wie des Politikbegriffes in Deutschland, sie sind der akademische Teil der alliierten Vorbehaltsrechte und die wirksamsten Waffen des Weltbewußtseinskrieges.</p>
<p>Die freien Parlamente werden nur dann nicht untergehen, wenn sie sich unter­ordnen. Die Ordnung, der die Parlamente sich unterwerfen müssen, ist das System der politischen Begriffe, worin die Kategorie des Parlaments ihren exakt be­zeichneten Ort hat. Die dem Parlamentarismus unbedingt vorgesetzte Kategorie ist die Nationalpolitik, die zusammen mit dem Nationalbewußtsein und der National­ökonomie den Begriff der Nation ausmacht.</p>
<p>Innerhalb der Gesamtentwicklung des Abendlandes ist der Parlamentarismus westeuropäischen Typs nur eine westextremistische Variante unter den freiheitli­chen Gestaltungsmöglichkeiten des politischen Lebens. Die politische Geschichte der Deutschen war bereits Anfang des 19. Jahrhunderts über diesen Typus hinaus. Hegel in Berlin thematisierte die Widersprüche parlamentarischer Regierungsbil­dung mustergültig, aber im Gefolge zweier militärischer Niederlagen sind wir erst auf das Niveau des Weimarer und dann auf das des Bonner Parlamentarismus herabgedrückt worden. Soll der Parlamentarismus wirklich vor erneuter Diskredi­tierung bewahrt werden, muß Rechtfertigung wie Kritik wieder auf das denkerische Niveau des Deutschen Idealismus gehoben und der Parlamentiarismus insgesamt im System des Politischen aufgehoben werden.</p>
<p>Über die Legislative hat Hegel gesagt: „Die Wenigen sollen die Vielen vertreten, aber oft zertreten sie sie nur.“ Die parlamentarische Regierungsform ist nach Hegel eine liberalistische Atomisierung der Freiheit eines Volkes und verabsolutiert den Einzelwillen.</p>
<blockquote><p>„Den besonderen Verfügungen der Regierung stellt sich sogleich die Freiheit entgegen, denn sie sind besonderer Wille, also Willkür. Der Wille der Vielen stürzt das Ministerium“ (d.h. die Regierung) „und die bisherige Opposition tritt nunmehr ein; aber diese, insofern sie jetzt Regierung ist, hat wieder die Vielen gegen sich. So geht die Bewegung und Unruhe fort. Diese Kollision, dieser Knoten, dieses Problem ist es, an dem die Geschichte steht und den sie in künftigen Zeiten zu lösen hat.“</p></blockquote>
<p>Die Lösung dieses Problems war die Bismarck-Verfassung, in der die Regierung nicht von den Vielen in Gestalt der Parlamentsmehrheit berufen wurde, sondern von dem Einen, der das Ganze repräsentierte: dem Monarchen. Die Gewalt war wirklich geteilt, weil Regierung und Parlament getrennt und somit Exekutive und Legislative nicht nur funktionell, sondern auch personell unterschieden waren. Umgekehrt waren die Führer der Parlamentsfraktionen keine durch Regierungs­ämter korrumpierten Parteipolitiker, sondern wirkliche Interessenvertreter der von ihnen repräsentierten Volksklasse. Als z.B. Bismarck den Führer der Nationalli­beralen, Bennigsen, in sein Kabinett aufnehmen wollte, holte er sich für diesen Bestechungsversuch eine Abfuhr.</p>
<p>Die Weimarer Verfassung verlegte die von Hegel charakterisierte Kollision in die Wahl des plebiszitären Monarchen, des Reichspräsidenten; das oktroyierte Bonner Grundgesetz dagegen übergab mit der Richtlinienkompetenz des Kanzlers den Staat an die Führer der Parteien. Die Geschichte des deutschen Parlamentarismus nach dem zweiten Weltkrieg ist die einer bewegungslosen Einklemmung der Legislative zwischen Regierung und Parteien. Mit den Parteiführern regieren jetzt einerseits, ganz im Marxschen Sinne, die siegreichen Klassen und Klassenkoalitionen, die aber kaum wagen, den Klassengegner direkt in seinem Besitzstand anzugreifen, sondern sich an der Staatskasse für die Mühen der Machtergreifung schadlos halten, was dann bei Machtwechseln die neue regierende Klassenkoalition ebenso tut.</p>
<p>Der Parlamentarismus steht und fällt mit dem aristokratischen Prinzip in der Demokratie, der Repräsentation. Die alten Klassen-, Regional- und Religionspar­teien des zweiten Kaiserreichs schickten ihren selbstgemachten Adel als Reprä­sentanten ihrer Volksklasse und Vertreter ihrer Interessen in den Reichstag. Das in den Parteien wirkende &#8220;eherne Gesetz der Oligarchie&#8221; (Robert Michels) hat dann aber zunehmend die Parlamente von den wirklichen Repräsentanten der verschie­denen Volksklassen abgeschnitten, denn die Parteiapparate kontrollieren die Mitgliedschaften und stellen nur noch ihre hörigen Gefolgsleute zur Wahl. Die Machtergreifung der Oligarchien ist vollzogen, sobald der Typus des professionellen Parteipolitikers die Parlamente dominiert. Die Oligarchie schleppt aber ihre Parteiintrigen durch die Parlamente hindurch in die Exekutive ein, Parteienkampf im Staatsapparat und ein finanziell immer mehr geplünderter und politisch geschwächter Staat ist die Folge.</p>
<p>Selbstredend ist es kein Unglück, sondern ein Hoffnungszeichen, daß der deutsche Parlamentarismus in seiner heutigen Form wieder gefährdeter erscheint als in vergangenen Jahrzehnten. Sein Untergang in der verfassungsgebenden Versamm­lung des wiedervereinigten deutschen Volkes ist Ziel und Zweck des Grundgesetzes und der ganzen bundesrepublikanischen Staatsveranstaltung gemäß Artikel 146. So wie ein Gefangener sich rechtzeitig klar machen muß, was er tun will, wenn er wieder freikommt, so muß das deutsche Volk heute im Kerker seiner Tei­lungsstaaten über die künftige Verfassung eines wiederhergestellten Deutschen Reiches nachdenken.</p>
<p>Soviel scheint heute schon sicher: Um den künftigen Reichstag vor dem Übel der oligarchischen Cliquenherrschaft und der daraus folgenden Geist- und Bedeu­tungslosigkeit zu bewahren, brauchen wir ein strenges Reichsverbändegesetz, das die Zulassung politischer Verbände (Parteien) ebenso wie bei Wirtschaftsverbänden von der völligen Gegnerfreiheit abhängig macht. Im Falle der Klassenparteien heißt das, in der sozialistischen Fraktion dürfen nur Arbeitnehmer, in der liberalen Fraktion nur Kapitalisten und in der konservativen Fraktion ausschließlich Grundeigentümer die Interessen ihrer jeweiligen Gruppierung vertreten, so daß den Polit-Condottieri des heutigen kollaborationistischen Parteienstaates das Handwerk gelegt ist.</p>
<p>Parlamentsherrschaft durchzieht die ganze moderne Gesellschaft, nicht nur ihren staatlichen Teil. Es ist einseitig, sich unter Parlamenten nur die privilegierten Staatsparlamente vorzustellen; nicht alle Massenmedien sind öffentlich-rechtliche Medien und nicht alle Banken sind Notenbanken. Der Parlamentarismus ist das politische Bankensystem der kapitalistischen Gesellschaft.</p>
<p>Das Wesen der Bank ist die Sammlung von Geld und seine Verwandlung in zinstragendes Kapital, daneben werden Geldhandlungsgeschäfte getätigt. Das Wesen des Massenmediums ist die Sammlung von Ideen und ihre Verwandlung in einflußnehmende Ideologie, ferner treiben die Massenmedien das Geschäft der Ideenkommunikation.</p>
<p>Das Wesen des Parlaments ist die Sammlung von öffentlichen Rechten und ihre Verwandlung in Einflußherrschaft, ansonsten ratifizieren die Parlamente Staatsverträge und handeln mit Legalien. Das Herrschaftspotential, das die Par­lamente schaffen und an dessen Machtzuwachs sie lediglich durch Einflußnahme partizipieren, wird den politischen Unternehmern oder Herrschaftsausübern zur Verfügung gestellt, die es teils als Demokratie (Herrschaft über Menschen), teils als Bürokratie (Herrschaft über Sachen) anwenden, um den Machtzuwachs zu erzielen, von dem sie aber nur einen Teil, den Erfolg oder politischen Unternehmergewinn, behalten können. Da der Betrieb eines Parlaments selber ein bestimmtes Herrschaftspotential voraussetzt, ist Parlamentarismus nur eine von vielen spe­ziellen Formen der Herrschaft in der modernen Gesellschaft.</p>
<p>Parlamente unterscheiden sich in Staatsparlamente und Privatparlamente. So wie das öffentliche Recht ein privilegiertes Recht ist, so das Staatsparlament ein privilegiertes Parlament. Die Privatparlamente kontrahieren ganz dasselbe wie die Staatsparlamente: öffentliche Rechte, Legalien, Regalien, Vertrauenspolitiken, Demokratien, und gelegentlich demonstrieren sie Verfassung; das Staatsparlament hat aber das Vorrecht, die Nationalrechtsnormen zu emittieren und ihr Umlauf­volumen zu steuern.</p>
<p>Abschließend sei noch bemerkt, daß der Begriff der Demokratie noch mehr ver­nebelt wurde als der Parlamentsbegriff. Das Wort Demokratie wird im Deutschen in drei Hauptbedeutungen verwendet: als Volksfreiheit, als Volkssouveränität und als Herrschaftsform. Volksfreiheit gibt es heute überhaupt nicht in Deutschland, denn ein durch äußere Gewalteinwirkung gespaltenes Volk ist immer ein unfreies Volk. Noch weniger kann ein solches Volk als souverän gelten, wird es doch an der re­gelmäßigen Ausübung seiner verfassungsgebenden Gewalt gehindert. Dafür aber haben die Deutschen in den beiden Bundesrepubliken reichlich Demokratie als gesellschaftliche Herrschaftsform, die man eigentlich <em>democracy</em> nennen sollte: Herrschaft über allerlei Volks mit dessen vertraglicher Einwilligung. Demokratie als Personalherrschaft teilt die Rechtssubjekte in Demokraten und Demokratisierte, und diese Demokratie ist so sicher wie der Kapitalismus selber; sie endet nicht vor den Werkstoren, sondern beginnt erst dahinter.</p>
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		<title>Über Pöbelherrschaft und Sprachverfall  in Deutschland</title>
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		<pubDate>Sun, 03 Apr 1988 15:44:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DK</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zur Zeit]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Herrschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Nec spe, nec metu!

I. Theorie des Pöbels
Ochlokratie (Pöbelherrschaft) ist die seit dem klassischen Altertum wohlbekannte Zersetzungsform der Demokratie. Alle drei legitimen Regierungsformen - Monar-chie, Aristokratie und Demokratie - haben ihre heroische Entstehungszeit wie ihre schmerzliche Zerfallsphase. Als jugendlicher Held ist die Demokratie eine revolutionäre Volksbewegung, als ermatteter Greis aber eine Restherrschaft, die durch Parteien, ...


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			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right"><em>Nec spe, nec metu!</em></p>
<h3>I. Theorie des Pöbels</h3>
<p>Ochlokratie (Pöbelherrschaft) ist die seit dem klassischen Altertum wohlbekannte Zersetzungsform der Demokratie. Alle drei legitimen Regierungsformen &#8211; Monar-chie, Aristokratie und Demokratie &#8211; haben ihre heroische Entstehungszeit wie ihre schmerzliche Zerfallsphase. Als jugendlicher Held ist die Demokratie eine revolutionäre Volksbewegung, als ermatteter Greis aber eine Restherrschaft, die durch Parteien, Verbände und Kirchen geschwächt ist und vom vereinigten Pöbel aller Klassen drangsaliert wird.</p>
<p>Jede manneskräftige Demokratie bewahrt das monarchische Prinzip im Staats-oberhaupt und das aristokratische Prinzip in der Repräsentation. Entartet die Demokratie zur Ochlokratie, so verkommt auch ihr monarchisches Prinzip zur Des-potie und ihr aristokratisches Prinzip zur Oligarchie.</p>
<p>Als Bundespräsident Richard von Weizsäcker am 8. Mai 1985 seine bekannte Rede zum vierzigsten Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht hielt und diesen totalen Zusammenbruch Deutschlands zum Tag der Befreiung erklärte, überschritt er die Kompetenzen eines demokratischen Monarchen und verformte sein Amt zur moralischen Despotie, die den Spruch der Geschichte zu deuten wagt (was auf Erden den Philosophen vorbehalten ist). Theokratische Richtersprüche setzen sich über alle geschichtliche Erfahrung und sittliche Empfindung des eigenen Volkes hinweg, und der zum moralischen Despoten entartete Staat wird zur Unwirklichkeit der sittlichen Idee oder zur Wirklichkeit der unsittlichen Idee.</p>
<p>Zersetzt ist heute auch das aristokratische Prinzip der Demokratie, denn die Abgeordneten sind nicht mehr Repräsentanten der konkreten Klassen und Stände des Volkes und somit soziale Autoritäten, sondern Gefolgsleute einer herrschenden Gruppe oder Parteienoligarchie. Der Wandel vom sozialen Repräsentanten zum oligarchen Gefolgsmann ist vollzogen, sobald der Typus des parteilichen Berufs-politikers die Parlamente dominiert.</p>
<p>Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken. Ein gewählter Monarch ist schneller zum Despoten verdorben und eine parlamentarische Aristokratie leichter zur Oligarchie heruntergewirtschaftet als ein ganzes Volk zum Pöbel gemacht. Instrumente der barbarisch-gewaltigen Operation, die aus einem Volk einen Pöbel macht, sind durch Parteienpöbel verdorbene Klassenparteien einerseits und neugeschaffene spezielle Pöbelparteien andererseits, wie z.B. der Kommunisten und der Nationalsozialisten in den zwanziger Jahren oder der Grünen heutzutage. Zwar sind die meisten Anhänger der Pöbelparteien nicht selber verpöbelt, aber sie glauben an die Masse, meinen, daß es auf sie ankäme. Glaubt ein Volk mehrheitlich an die Masse und die Notwendigkeit ihres Stils, ist es der Herrschaft des Pöbels unrettbar verfallen.</p>
<p>Herkömmliche Klassenparteien beginnen zu verpöbeln, sobald sie sich als Volksparteien ausgeben, den Staat unterwandern und sich selbst aus den öffentlichen Kassen bedienen; die Klassenpartei ist zur Patronagepartei geworden. Die institutionelle Ursache dieses allgemein beobachteten Wandels von der Klassen- zur Patronagepartei ist darin zu sehen, daß die politischen Verbände &#8211; anders als die Wirtschaftsverbände &#8211; nicht durch die gesetzliche Auflage der Gegnerfreiheit geschützt sind. Die DGB-Skandale fallen exakt in den Sektoren der deutschen Gewerkschaften vor, die nicht gegnerfrei sind und worin Unternehmer mit Gewerkschaftsvermögen das Sagen haben.</p>
<p>Eine reife Demokratie, die über eine entwickelte kapitalistische Wirtschaft verfügt, teilt das Volk in Einkommensklassen mit entsprechenden Formationen des politischen, ökonomischen und psychologischen Verteilungskampfes (Parteien, Ver-bände und Kirchen), die das gesellschaftliche Gesamtprodukt an Seele, Macht und Reichtum nach den inneren Kräfteverhältnissen eines Volkes positionieren und seine Gesamtkraft optimieren. Konzepte und Programme dieser Optimierung werden vom Staat vorgegeben, der sie Denkern verdankt, die er meist garnicht kennt und die in der Regel schon lange tot sind. Der Staat als Staatsverband (aller seiner Bürger und seiner selbst als ihr Vorstand) hebt die besonderen Verbände in sich auf, er ist der allgemeine Verband. Der allgemeine Verband funktioniert, solange er die sozialen Verbände ermöglicht und zugleich auflöst, im Staatsverband zur homogenen Staatsbürgerschaft verflüssigt.</p>
<p>Wie weit ein Staat dem Pöbel anheimgefallen ist, erkennt man an seiner Programm­unfähigkeit, die der Theorieverachtung entspringt. Sobald Theoriefeindschaft sich breitmacht, triumphieren die Ideologen der Pöbelparteien: seit Jahren bestimmen die Grünen die Themen des öffentlichen Diskurses und die Kommunisten als älteste der heute noch aktiven Pöbelparteien haben immer schon behauptet, der 8. Mai 1945 sei ein Tag der Befreiung gewesen, worauf dann auch der DKP-Vorsitzende Mies den Bundespräsidenten von Weizsäcker im Mai 1985 prompt hinwies.</p>
<p>Die Prognose der Verpöbelung ist der modernen Gesellschaft häufig gestellt worden. Hegel hat gemeint, bei allem Reichtume sei die bürgerliche Gesellschaft nicht reich genug, der Erzeugung des Pöbels zu wehren, und Marx hat sich ihm mit seiner berühmten Verelendungsthese angeschlossen. Auguste Comte hielt eine am Vorbild der Katholischen Kirche ausgerichtete Soziologische Kirche für nötig, um den Pöbel niederzuhalten. Nietzsche sah die Flut des Nihilismus steigen, George Sorel die Arbeiterparteien im Sumpf reaktionärer Arme-Leute-Parteien untergehen. Ortega y Gasset konstatierte den Aufstand des Massenmenschen, der &#8220;die Unverfrorenheit besitzt, für das Recht der Gewöhnlichkeit einzutreten und es überall durchzusetzen&#8221; (III,13), wobei ausgerechnet der heutige Wissenschaftler das Urbild des Massenmenschen ist, weil gerade im Wissenschaftsbetrieb der gelehrte Ignorant, der Fachidiot gedeiht und &#8220;die moderne Wissenschaft dem geistig Minderbemittelten Zutritt gewährt&#8221; (III,71). Max Scheler schließlich sah in der allgemeinen Menschenliebe den allgemeinen Menschenhaß sich vorbereiten, und daß es ehrfurchtslos ist, das Weltbeste zu wollen. Der Pöbel ist ehrfurchtslos und will immer nur das Allerweltsbeste.</p>
<p>Karl Marx wies in seiner Bonapartismus-Analyse darauf hin, daß nicht nur das Proletariat ein Lumpenproletariat absondert, sondern auch die Bourgeoisie eine Lumpenbourgeoisie (den Pariakapitalismus) und die Aristokratie eine Lumpenaristokratie ausscheidet. Die Verlumpung hat nichts mit der Garderobe oder der Einkommenshöhe zu tun, wohl aber mit der Qualität der Einkommensquelle. Aber weder die primären Einkommensquellen, die Produktionsfaktoren, noch die sekundären Einkommensquellen, der staatliche und der private Transfer, sind an sich schon Einkommensarten des Pöbels.</p>
<p>Die proletarische Klasse hat Arbeitskräfte, die bourgeoise Klasse Kapitalien und die aristokratische Klasse Immobilien zur Einkommensquelle, daher sind Lohn, Zins und Grundrente ihre klassengemäßen Einkommensarten. In der modernen kapitalistischen Gesellschaft ist eine Regierung der Grundeigentümer konservativ, eine Regierung der Kapitalisten liberal und eine der Proletarier sozialistisch. Diese Regierungstendenzen der Hauptklassen werden ergänzt durch solche der Zwischenklassen: die Regierung von Selbständigen (die außer über den Faktor Arbeitskraft mindestens noch über einen weiteren Produktionsfaktor verfügen) ist radikal, die Regierung der Staatsklasse (die vom staatlichen Transfereinkommen lebt und dafür die Staatsfunktionen erfüllt) ist etatistisch. Gegner der Staatsklasse ist die Anarchistenklasse, die vom staatlichen Transfer lebt, ohne Staatsfunktionen zu erfüllen.</p>
<p>Eine anarchistische Regierung ist nicht ohne weiteres eine Herrschaft des Pöbels, denn zur Anarchistenklasse gehören z.B. seit der kriegsbedingten Aufzehrung des Rentenkapitals und des Inkrafttretens des sog. Generationenvertrages unsere Sozialrentner. Weil Staats- und Anarchistenklasse ihre gemeinsame Subsistenz am allgemeinen Transfer haben, sind sie zur Transferklasse zusammenfaßbar, und in vielen entwickelten kapitalistischen Ländern ist nicht der Verteilungskampf zwischen den primären Einkommensklassen das politisch-ökonomische Hauptgeschehen, sondern der Kampf um die Aufteilung des allgemeinen Transfers (z.B. in Gesundheits-, Renten- und Bildungspolitik). Aber die aktuelle Erfahrung zeigt, daß es verpöbelte Anarchisten wie auch verpöbelte Staatsmänner gibt, die durchaus miteinander politische Geschäfte machen können, die auf Kosten des ordentlichen Teils ihrer jeweiligen Klasse gehen.</p>
<p>Eine oftmals der Pöbelerzeugung verdächtigte Volksklasse sind Kleriker, Funktionäre und Lobbyisten. Ökonomisch stellen sie Klassenreste dar, die vom privaten Transfer bestimmter Einkommensklassen leben. Den privaten Transfer erheben die Kampfverbände der Klassen; diese Verbände des Verteilungskampfes sind zugleich die soziologischen Gruppen, die psychologischen Kirchen, die politischen Parteien und die ökonomischen Verbände der Klassen. Die Elemente der durch Privattransfer unterhaltenen Klassenreste der Kleriker, Funktionäre und Lobbyisten sind sozial immer Parteiische, seelisch die Claqueure der sie bezahlenden Kirche und politisch die pflichtschuldigen Gefolgschaften ihrer Partei. Die bezahlten Funktionäre des Arbeitgeberverbandes sind keine Arbeitgeber und die Gewerkschaftslobbyisten keine Arbeitnehmer; beides sind Privatbeamte. Privatbeamte sind auch die Funktionäre der Kirchen (ob nun der traditionell-theologischen oder der modern-elektronischen) und die Geschäftsführer und Verwalter aller sonstigen Vereine und Verbände. Solange die Privatbeamten wirklich von den Mitgliedsbeiträgen ihrer Verbände bezahlt werden, leben sie klassengemäß und daher anständig.</p>
<p>Die Verpöbelung sozialer Verbände, seien es solche der Haupt- oder der Zwischenklassen, beginnt mit ihrer Subventionierung. Die Privatbeamten, denen der klassenspezifische Transfer als Existenz- und Operationsgrundlage zu schmal geworden ist und die deshalb &#8211; in der Regel legal &#8211; auf den allgemeinen, klassenunspezifischen Staatstransfer übergreifen, sind vom soziostrukturellen Gesichtspunkt her genauso korrupt wie jene Staatsbeamten, die sich aus den Reptilienfonds irgendwelcher Verbände bedienen lassen. Dabei ist es auch kein struktureller Unterschied, ob die querlaufenden Mittel für den Unterhalt des Beamten oder des Amtes verwandt werden. In die Fonds sozialer Kampfverbände umgelenkte staatliche Mittel sind die leichte Beute, die dem schwachen Staat abgepreßt wird. Den treffenden Ausdruck für diese Beutepolitik beim schwachen Staat haben die Ideologen der grünen Pöbelpartei geprägt: Staatsknete. Selbst die größte Einzelgewerkschaft der freien Welt, die IG Metall, verschmäht heute nicht mehr Staatsknete als pazifistische Alternative zu Tarifverträgen, die der starken gegnerischen Klasse gefahrvoll abzuringen sind.</p>
<p>Der schwache Staat ist das selbe Betrugsmanöver in der Politik, das die schwache inflationäre Währung in der Wirtschaft darstellt. Umgekehrt verhält es sich mit dem starken Staat wie mit einer stabilen Währung, die noch nicht Reichtum oder wachsende Wirtschaftskraft bedeutet und die nur sicherstellt, daß Otto Normalverbraucher nicht um seine Ersparnisse gebracht wird; der starke Staat ist bloß Voraussetzung zur Lösung aller ernsthaften politischen Probleme, weil er verhindert, daß der loyale und gewaltlose Bürger um seine öffentlichen Rechte betrogen wird. Der starke Staat hält sich aus dem Verteilungskampf der Verbände heraus, aber er sorgt für das <em>pacta servanda sunt</em>, toleriert also weder Streiks noch Aussperrungen oder andere Lieferblockaden auf privatrechtlich kontrahierte Güter in seinem Herrschaftsbereich.</p>
<p><strong>Der Pöbel ist das Asoziale, die Deformation aller Klassen, nicht ihre Aufhebung.</strong> Pöbel ist Schutt im sozialen Gefüge. Soziaischutt entsteht durch Brüche, Risse und Verbiegungen der gesellschaftlichen Struktur. Ist der Pöbel an der Macht, versucht er dem Volk einzureden, ein schwacher Staat sei in seinem Interesse, und der Staat vor allem sei es, vor dem es geschützt werden müsse. Wer den Staat als Gefahr sieht, wird schließlich mit jenen sympathisieren, die den Staat plündern. Das ist der Zweck der als Liberalismus getarnten lumpenbourgeoisen Propaganda gegen den Staat, der als Überwachungsstaat beschimpft und so eingeschüchtert wird, daß er es nicht mehr wagt, den Pöbel zu überwachen.</p>
<p>Ein souveränes Volk, das seinen Staat fürchtet, ist der Verrückte, der seinem Kopf mißtraut und deshalb vorsichtshalber damit gegen die Wand rennt. Das Privileg, Staatsgegner zu sein, hat in der modernen Gesellschaft nur eine Volksklasse: die der Anarchisten. Die Anarchistenklasse ist der einzige legitime Gegner der Staatsklasse, weil die Anarchie mit dem Staat sowohl einen Verteilungskampf auszutragen hat als auch durch das gemeinsame Interesse an einem hohen Steueraufkommen verbunden ist. In der Steuerfrage allein sind die drei Hauptklassen und besonders die Selbständigen oder Radikalen staatsfeindlich und anarchiefeindlich gleichermaßen, d.h. Gegner des Sozialstaats, insoweit er anderen zugute kommt.</p>
<p>Wer gegen jemanden kämpft, kämpft auch mit ihm, &#8211; um dasselbe. Also die steuerzahlenden Klassen kämpfen mit den steuerzehrenden um das Steueraufkommen, die steuerzehrende Transferklasse aber kämpft untereinander um die Aufteilung des Aufkommens zwischen Staats- und Anarchistenklasse.</p>
<p>Charakteristikum des modernen Pöbels ist kein lautes Herumpöbeln, sondern der leise, legale <strong>Systembruch</strong>. Der Pöbel aller Verbände hält den Klassenkampf für überholt, ist für den schwachen Staat, der den Zugriff auf die öffentlichen Kassen erleichtert, von dem gleichzeitig aber mit Nachdruck gefordert wird, alle Gesellschafts- und Umweltprobleme omnipotent zu lösen. Die Privatbeamten des sozialen Verbändesystems zeigen im Zustand der Verpöbelung das aus der Geschichte der militärischen Verbände wohlbekannte Landsknechtssyndrom: man hat keine Lust mehr, sich mit den Kameraden von der Gegenseite zu schlagen und plündert lieber Wehrlose und Unbeteiligte.</p>
<p>Die von den Klassen für ihre Kampfverbände eingestellten Privatbeamten sind gewissermaßen ihre Verbandsknechte, Landsknechte des Verteilungskampfes, die aber bald den riskanten Kampf mit dem Klassenfeind scheuen und dort auf Beute ausgehen, wo sie mit dem geringsten Widerstand zu holen ist. Sie beschreiten den Weg der Effektivität des Kampfes, nicht den seiner Ehre. Hat der Verbandsknechtspöbel den Staat und andere Unbeteiligte weitgehend ausgeplündert oder erobert, wendet er sich gegen das letzte reiche Beuteobjekt: den eigenen Auftraggeber. Verkommene Landsknechtshaufen wurden im späten Mittelalter zur gefürchtetsten Plage der Länder, die sie urspünglich beschützen sollten.</p>
<p>Die sozialdemokratischen Landsknechte marodieren besonders auffällig gegen die deutsche Arbeiterklasse, indem sie jetzt die scharfe, einst von den Arbeitgebern eingeführte Waffe der ausländischen Arbeitskräfte gegen die deutschen Arbeiter und Arbeitslosen richten, durch Ausländerwahlrecht auf Dauer stellen, wodurch das deutsche Proletariat politisch und kulturell verelendet, von seinen zweifelhaften Beschützern noch abhängiger wird, die ihrerseits sich von der deutschen Arbeiterklasse emanzipieren und auf ein internationales Proletariat stützen, das ihnen huldigt, sie als Herren anerkennt, Schutz und Schirm erhält und sich zu Rat und Hilfe verpflichtet. Aus diesem und keinem anderen Grunde toleriert die Hamburger SPD das organisierte Verbrechen der Hansestadt in so auffälliger Weise.</p>
<p>Die CDU, seit sie im Bund regiert, hat nicht nur die sozialdemokratische Ostpolitik fortgesetzt und forciert, sondern auch die Quellensteuer auf Kapitalerträge eingeführt, die sie in der Opposition zu Recht als scharfe Waffe gegen ihre Klientel der kleinen Kapitaleigner gebrandmarkt hatte.</p>
<p>Theoretisch ist der moderne Pöbel durch Systembruch, schwachen Staat und kampfentwöhnte Klassen ermöglicht. Die moderne Ochlokratie erzeugt ein pazifistisches, wehrunwilliges Volk, das erst der sozialen Eroberung durch oligarchische Verbandsknechtscliquen, dann der moralischen Despotie von oben, schließlich der Knechtschaft von außen durch Infiltration fremder Völkerschaften anheimfällt. Es ist der Kern ochlokratischer Außenpolitik, den <strong>internationalen Pöbel</strong> ins Land zu holen, um die innere Herrschaft unabhängig zu machen. Emanzipation vom eigenen Volk ist die Generallinie der Ochlokraten. Inhalt des gegenwärtigen Fortschritts ist die Emanzipation der Ochlokratie von der Demokratie, denn jede Zersetzungsform entfernt sich immer mehr von der Form, die sie zersetzt. Aller Fortschritt ist diese Entfernung von einem alten Ideal und führt nur dann nicht zur Barbarei, wenn er das alte Ideal in dialektischer Weise bestimmt negiert, also das neue Ideal aufbaut.</p>
<h3>II. Sprache des Pöbels</h3>
<p>Die Herrschaft des modernen Pöbels äußert sich in einer besonderen Form des Sprachverfalls, der kaum noch wahrgenommen wird. Am auffälligsten ist der Ver-lust des Konjunktivs: der Pöbel hat keinen Möglichkeitssinn, ihm fehlt daher selbstredend auch der rechte Sinn für die Wirklichkeit. Die Konjunktivlosigkeit raubt dem Indikativ die Bestimmtheit und die sprachlichen Weichmacher blühen. Der Pöbel denkt abstrakt und redet schablonenhaft; die geistige Vulgarität ist sein Stil, für den er zuvörderst Toleranz fordert; der Pöbel ist liberal mit seinesgleichen.</p>
<p>Nicht nur der Konjunktiv ist dem Pöbeldeutsch abhanden gekommen, sondern auch das Plusquamperfekt und die vollendete Zukunft, weil in jeder Vollendung alles Pöbelhafte getilgt ist. Der Pöbel als personifizierter Zerfallsprozeß haßt alle Vollkommenheit, die der Vergangenheit wie die der Zukunft. Auffällig ist auch das Verschwinden des Genitivs; dieser Fall beantwortet bekanntlich die Eigentumsfrage; aber wessen Sache etwas ist, kümmert jenes Gesindel nicht, das sich daran ver-greifen will. Ein tieferes Gefühl für die wahren Besitzverhältnisse in Westdeutschland zeigen hingegen jene großstädtischen Kleinbürger, die dem angelsächsischen Genitiv zu seiner großen Sichtbarkeit verholfen haben, indem sie z.B. ihren Frisörladen <em>Peter&#8217;s Barber Shop</em> nennen.</p>
<p>Der moderne Pöbel hat nicht die Vitalität des alten: er pöbelt nicht mehr lauthals herum, aber er redet bei allem mit, vorzugsweise über Kultur, wie Hamburgs Erster Bürgermeister (ein mäßig talentierter ungarischer Aristokraten-Darsteller), der jeden dritten Satz mit einem &#8220;sag ich mal so“ beendet.</p>
<p>Dieses &#8220;sag ich mal so“, das in Hamburg von oben bis unten durchgesetzt ist, bringt die Befindlichkeit des Pöbels, der von der Unbestimmtheit, vom Systembruch lebt, in idealer Weise zum Ausdruck. Noch häufiger werden die Fragmente &#8220;sag ich&#8221;, &#8220;denk ich&#8221; und &#8220;mal&#8221; verwandt. Das Wörtchen &#8220;mal&#8221; macht alles weich und vage, erzeugt die Prinzipien- und Begrifflosigkeit, dies Lebenselement des modernen Pöbel. Das &#8220;sag ich&#8221; und &#8220;denk ich&#8221;, angehängt an jeden zweiten Satz, befriedigt des Pöbels anhaltendes Bedürfnis, sich und anderen die Wirklichkeit seines Redens und Denkens zu bestätigen. Die Weichheit des Pöbels ist eine Herrschaft der Kontingenz: sie fällt, wenn von Sachzwängen gespornt, in ebenso subjektiv-kontingente Brutalität.</p>
<p>Der Pöbel kann keine Gesellschaft ändern, denn er ist ihr bloßer Zerfall. Nichts dergleichen ist seine Sache, er hat keine Sache, ist selber noch nicht einmal eine gesellschaftliche Tatsache, sondern die soziostrukturelle Tatenlosigkeit, bloßer Strukturschutt. Er sagt gerne: &#8220;Das ist nicht mein Ding&#8221; &#8211; ein brutaler Ausdruck, der die Verdinglichung ausspricht und bejaht; diese Affirmation der Reifikation spricht den Schein als Sein an, direkt und völlig undialektisch. Ähnlich die beliebte Formulierung „das laß ich so stehen“: seit Hegel weiß man, warum <strong>nichts</strong> stehen bleiben kann; diese Einsicht fehlt dem Pöbel, der die deutsche Philosophie haßt, weil er sie zu fürchten hat und sich daher regelmäßig zum angelsächsischen Pragmatismus bekennt. Dem Geistespöbel fehlt jene Kraft der Negation, die <strong>alles</strong> in Flug bringt. Er ist das Zerfließen der Sozialstrukturen, und die Pöbel-Existenz selber ist nur eine Äußerung dieser Kraft der Negation.</p>
<p>Eine besonders unangenehme Herabwürdigung des Gesprächspartners ist es, ihm zu bescheinigen, er habe eine &#8220;gute Frage&#8221; gestellt. Die Frage gilt nur deshalb als gut, weil die Antwort schon parat liegt, die Frage keine Frage, sondern eine Informationslücke war. Antworten des Pöbels werden häufig durch ein &#8220;wie auch immer&#8221; abgebrochen, aber gerade auf das Wie, auf den rechten Weg, kommt es an; doch die Wege des Pöbels sind krumm. &#8220;Sie erlauben!&#8221;, sagt der Pöbel, wenn er sich etwas herausnimmt, und &#8220;das muß ich nicht haben&#8221;, nachdem er sich schon alles genommen hat.</p>
<p>Die Bildungsverpöbelung ist ein ganz eigenes, ausgedehntes Phänomen. Sprachlich äußert sie sich dergestalt, daß die eigene geistige Beschränktheit positiv herausgestellt und der Gegenüber durch polemisch unterstellte Bildung ins Unrecht gesetzt wird. &#8220;Mehr fällt mir dazu nicht ein!&#8221;, verkündet der Pöbel stolz, &#8220;Sie müssen das ja wissen!&#8221;, wirft er dem Anderen vor, oder repliziert ganz elegant und herablassend: &#8220;Fragen Sie mich doch etwas leichteres!&#8221; &#8211; Nur in Zeiten wie den unseren, die unter der Herrschaft des Pöbels stehen, ist es der Ignoranz möglich, sich zur Preziose zu spreizen. Die Krönung der Bildungsverpöbelung ist eine Bildungsreform, die die Eliten auf die Massen ausrichtet, statt umgekehrt. Am Ende hapert es dann selbst mit der Rechtschreibung, was der orthographischen Reform den Weg bereitet.</p>
<p>Alle Argumente, die auf das Wesen der Sache zielen und über den egoistischen Pragmatismus und flachen Empirismus hinausweisen, gelten dem geistigen Pöbel als &#8220;abgehoben&#8221;. Strukturschutt der er ist, bleibt der Pöbel bis zu seinem Verschwinden in den Trümmerbergen der Vergangenheit unfähig zur systematischen Erkenntnis, zur geistigen Struktur; er hat die Dinge höchstens &#8220;mal angedacht&#8221;. Der geistige Pöbel hat keinen Sinn, deswegen muß alles bei ihm &#8220;Sinn machen&#8221;. &#8211; Der Sinn ist immer schon in die Wirklichkeit eingelassen; um ihn in der Wirklichkeit zu finden, müßte man fähig sein, das Wirkliche als vernünftig zu begreifen. Fehlt diese Fähigkeit, muß der Sinn erst konstruiert werden. Die Verdinglichung des Sinns zum Machbaren ist die Ökonomisierung eines metaphysischen Begriffs.</p>
<p>Der Pöbel als das Asoziale aller Klassen in allen Völkern erzeugt eine globale Form des Politikverfalls wie des Sprachverfalls: Weltinnenpolitik und Anglizismus. Die globale Sprach­barbarei in Gestalt der Anglizismen ermöglicht erst die pazifistische Generalillusion einer Weltinnenpolitik &#8211; übrigens die grundsätzlichste Negation der Souveränität der Völker und somit Demokratiefeindschaft schlechthin!</p>
<p>Das Englische hat eine besondere Affinität zum Pöbel. Entstanden als ethnischer Trümmerhaufen der Völkerwanderung, unterworfen von römischen, angelsächsischen, dänischen und normannischen Eroberern, ist das Englische die am meisten verpöbelte Sprache der vollkommenen Äußerlichkeit, mit einem schier unbegrenzten, durch keinen inneren Sinn eingeschränkten Wortschatz. Das Englische ist keine Sprache, sondern ein Pidgin. Pidgin ist die Idealsprache des Primitivpöbels. Deswegen ist der Sprechstil der englischen Oberschicht die lautliche Verkürzung, im Gegensatz zum Hochdeutschen, das die Satzperioden wie die Aussprache des einzelnen Wortes ausfeilt und verlängert. Die Weltpöbelsprache Englisch ist aber nicht den Angelsachsen anzulasten, die vor der normannischen Eroberung bekanntlich Platt gesprochen hatten. Die normannische Eroberung Nordfrankreichs war, anders als die angelsächsische Landnahme in Britannien, wie alle Wikingerzüge keine Völkerwanderung, sondern ein Raubzug ohne Frauen und Kinder. Innerhalb zweier Generationen haben die französischen Frauen aus den Normannen <strong>naturalisierte Franzosen</strong> und damit <strong>denaturierte Germanen</strong> gemacht: Bastarde, die als Herren über England noch vier Jahrhunderte lang französisch sprachen und in diesem langen Zeitraum das Platt der unterworfenen Angelsachsen zu jener grenzenlosen Primitivsprache verkrüppelten, die das Englische zum Esperanto des Weltpöbels qualifiziert hat.</p>
<p>Die &#8220;one world&#8221;, das ist Sprache und Politik des Pöbels in einem. Mit diesem Konzept hängt die ochlokratische Vorstellung zusammen, das Menschenrecht sei individuellen Ursprungs. Der Pöbel ist gelebter Individualliberalismus, der sich zum Ego-Anarchismus steigert. Diszipliniert wird er durch Druck, Erpressung, Korrumpierung. Eine verpöbelte Wirtschaft wäre die Unterwerfung des Kapitals durch das Kapitalverbrechen.</p>
<h3>III. Phänomenologie des Pöbels</h3>
<p>Der Pöbel haßt die Selbstdisziplin, das Opfer, den Helden. Gänzlich fremd ist ihm das herkuleische Bewußtsein, daß man den Augiasstall wirklich ausmisten kann. Der Pöbel riskiert nichts, er ist feige, geistig und körperlich. Sein Pazifismus, die Verachtung der Tugenden des Kriegers, macht den Pöbel kleinlich, sentimental und brutal, also gänzlich unfähig zu jedem wirklich großen Gefühl, unfähig zur Leidenschaft. Die Leidenschaft entspringt der Gemeinschaft, nie der Gesellschaft und schon garnicht ihrem Strukturschutt.</p>
<p>Wer zu keinem großen Gefühl fähig ist, packt auch keine großen Aufgaben an, Charakteristikum der Pöbelherrschaft ist das Durchwursteln und das Tabuisieren der Grundfragen. Alles wird weichgemacht, alles wird geschmiert, aber zum großen Ärger von Pöbelherren und -knechten wird der Schmierstoff knapp. Weil der Pöbel nicht etwa das kleingemachte Volk ist, sondern sein zerkleinerter, moralisch-strukturell zerstörter Teil, ruht er als Beherrscher der Gesellschaft nicht eher, bevor nicht alles andere auch so klein erscheint. Helden darf es nicht geben, aber jeder kann zum Idol gemacht werden: die heroinsüchtige Prostituierte, der Sportgladiator oder der Homosexuelle.</p>
<p>Die Hochburg der westdeutschen Pöbelherrschaft ist Hamburg. Hier läuft z.Zt. eine Propagandakampagne für Aids-Infizierte unter der Parole &#8220;Aids fordert unsere Liebe&#8221;. Die Partei der möglichen Aids-Infizierten, die Tunten mit ihrem Stoßtrupp der profitierenden Berufe, greift nach der gesundheitspolitischen Priorität und beansprucht ganz schamlos das liebeheischende moralische Vorrecht, auf Kosten der allgemeinen Gesundheit einen Beutezug gegen den öffentlichen Gesundheitsfond zu führen. Die erworbene Abwehrschwäche ist <strong>die</strong> symbolische Krankheit der Gegenwart. Aids ist eine Verpöbelung des menschlichen Körpers, und Pöbel-herrschaft das Aids des sozialen Körpers. Zweck der Aids-Propaganda ist die Verteidigung der Macht des Pöbels schon in vorderster Linie, und nicht etwa die menschliche Selbverständlichkeit, die Leiden Todgeweihter zu lindern.</p>
<p>Gesellschaftsstrukturen erscheinen oft als unwandelbar und unangreifbar. Ihre Überwindung setzt die Kenntnis und Erfüllung ihrer Entwicklungslogik voraus. Werden die Strukturen vor Vollendung ihrer gesellschaftsgeschichtlichen Aufgaben gleichsam chemisch zersetzt, entsteht keine höhere Struktur, sondern die Barbarei der Strukturlosigkeit. Auch Konstruktionen aus Stahlbeton bedürfen der Schonung und Pflege, sollen sie nicht verrotten und vor der Zeit in Trümmer fallen.</p>
<p>Die Ästhetik des Pöbels ist vollkommen realisiert im Hamburger Schauspielhaus unter Peter Zadek, dem gestattet wird, am deutschen Theater seine Privatrache für Auschwitz zu üben. Allgemein gilt: ästhetische Ochlokratie ist die Herrschaft des Interessanten, weil das Schöne nicht mehr das Gute und das Gute nicht mehr das Wahre ist; wie die Ochlokratie sich von der Demokratie emanzipiert, so ist die Pöbelkunst Befreiung aus der Fessel des Schönen. Selbstverständlich weiß sich auch die Pöbelreligion vom Guten und die Pöbelphilosophie vom Wahren zu emanzipieren. Wirkliche Philosophie sucht nicht die Emanzipation, sondern die Hörigkeit der Wahrheit.</p>
<p>Auf den Weg der spätrömischen Dekadenz ist Westdeutschland schon sehr weit fortgeschritten. Als die Lex Antoniana im Jahre 212 allen Italikern römisches Bürgerrecht verlieh, war das Volk von Rom im wenig heroischen Einheitsbrei der italienischen Bevölkerung aufgelöst, die mit dem römischen Pöbel im Recht auf Frumentierung aus den Staatsspeichern gleichgestellt wurde (panem et circenses). Die orientalischen Despoten auf dem römischen Cäsarenstuhl konnten sich nun auf den gesamtitalienischen Pöbel stützen. Aber bald war die Frumentierung der Massen nicht mehr bezahlbar; zunächst wurde die Ausplünderungspolitik gegen die Provinzen und die innere politökonomische Despotie verschärft, schließlich half auch das nichts mehr und man schritt zur Zwangskolonisierung der Armen und Sklaven: der Weg vom spätrömischen Sozialstaat und seinem erblühten Privatrecht zum Frühfeudalismus, der nicht einmal mehr den Unterschied von privatem und öffentlichem Recht kannte, war durchschritten.</p>
<p>Durch Verdrehung des Ausländerrechts und des (an sich völlig unproblematischen) politischen Asyls zu einem Frumentierungs­recht des internationalen Pöbels hat sich die innere Herrschaft des deutschen Parteienpöbels von der Zustimmung des deutschen Volkes befreit. Am 14. Januar 1988 empfing Hamburgs Bürgermeister das konsularische Korps. Dabei beglückwünschte der russische Generalkonsul den Bürgermeister zur Vertragslösung in der Hafenstraße, wo der KGB mitgesiegt hatte. Herr von Dohnanyi wies stolz darauf hin, daß bereits “60.000 nichtdeutsche Hamburger&#8221; in den Mauern der Stadt leben. &#8211; Die über hunderttausend Nichteuropäer in Hamburg sind schon heute die eigentliche, von der Meinung der Einhei-mischen unabhängige Macht, deren Herrschaft über Senat und Volk von Hamburg in der Stadt selber überhaupt nicht mehr zu brechen ist, weil sie über geheime, an kein deutsches Recht gebundene Gewaltapparate mit besten internationalen Beziehungen, vor allem auch nach Moskau und zur amerikanischen Ostküste, verfügen.</p>
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