Einleitung zum Hegelseminar 2002

Die Hoffnungen der richtig Denkenden sind erfüllbar, die der Unverständigen unerfüllbar. Keine Kunst, keine Wissenschaft ist erreichbar ohne Lernen. Viel Denken, nicht viel Wissen ist zu pflegen.
[Demokrit aus Abdera (um 460 v. Chr. - um 370 v.Chr.): Fragmente, Diels-Vorsokr. Bd. 2, S. 75]

Alle politischen Umwälzungen, die Weltgeschichte geschrieben haben, waren geistige Revolutionen (Reformationen).

Bis in das späte 18. Jahrhundert ist der subjektive Geist („der Mensch“) über den naiven Realismus des verständigen Denkens, dessen Prinzip die Trennung von Subjekt und Objekt ist, nicht hinausgelangt.

Es war der Deutsche Philosoph Immanuel Kant, der mit seiner „Kritik der reinen Vernunft“ dieses Denken in die absolute Verzweiflung stürzte und zugleich ein für allemal die Trennwand zwischen Subjekt und Objekt eingerissen hat, indem er im reinen Denken nachwies, daß die Objekte unserer Wahrnehmung vom Denken erzeugt sind. Er konnte auch zeigen, daß sich das Nachdenken über Gott und die Welt unausweichlich in Widersprüche verwickelt. Aber er blieb auf merkwürdige Weise noch „Realist“, indem er das „Ding an sich“ (Gott) für nicht erkennbar erklärte und die Ansicht vertrat, daß der Mensch nur „Erscheinungen“ wahrnehmen könne. Er ist so der eigentliche Begründer des Agnostizismus als Reich des Verstandes, das gegenwärtig seine Vollendung im Nihilismus erreicht.

Kant hoffte, den Glauben vor den Anmaßungen des Verstandes retten zu können. Daß der mitteleuropäische Mensch aber nicht mehr gegen den Verstand anglauben konnte, wußte er noch nicht. Das ist erst unsere Erfahrung.

Sein Versuch, den Glauben an Gott gegen die Angriffe des Rationalismus zu verteidigen, geriet ihm zur tiefsten Erniedrigung des Menschen. Unfreiwillig und ohne Selbstbewußtsein wurde er zum Erzengel des Zeitgeistes,- aber zugleich zeugte er im Geiste – wiederum ohne Bewußtsein darüber – den Überwinder des Zeitgeistes.

Sein Samen ging im Denken Georg Friedrich Wilhelm Hegels auf. Dieser öffnete das Tor zum Reich der Vernunft, indem er erkannte, daß der Widerspruch das Zeichen der Wahrheit ist und die Widerspruchsfreiheit das Zeichen der Unwahrheit (These 1 seiner Habilitationsschrift).

Damit steht Hegel am Anfang einer Reformation, die alles überragt, was sich in der Weltgeschichte bisher gezeigt hat.

Wir sind durch den Verstand blind geworden für die weltliche Wirklichkeit des absoluten Geistes (Gottes). Wir erkennen in der Wucht des Geschehens nicht mehr seine absolute Macht. Die Entartung des Krieges zur Vernichtung menschlicher Biomasse und der mörderische Freihandel, der die Menschheit buchstäblich aushungert, erscheinen uns als Machwerk des Menschen. Der verendende Glaube an Gott schleudert mit seiner letzten Zuckung den Bannfluch gegen jene, die auch noch im 20. Jahrhundert mit seinen mehr als hundert Millionen Gewaltopfern den lebendigen Gott erkennen: Diejenigen – so heißt es – die nach dem Gulag, nach Dresden und Hiroshima, angesichts der Hekatomben auf den Schlachtfeldern von Verdun, Stalingrad, Indochina und Irak behaupten, da sei ein Gott – allmächtig, unendlich, allwissend und allgütig – seien Gotteslästerer.

Es ist diese Blindheit, die uns resignieren läßt, die uns mut- und kraftlos macht. Wir fühlen uns verlassen. Meinen gar, nicht über die Mittel zu verfügen, mit denen wir den übermächtigen Feind bezwingen könnten.

Wir verstehen nicht, daß es unsere geistige Schwäche ist, die den Feind stark erscheinen läßt. Wir erkennen nicht die Hinfälligkeit des Feindes, weil wir unsere Kraft im Geiste nicht mehr fühlen. Diese Kraft erwächst aber unwiderstehlich aus dem Geist, in dem der Verstand zur Vernunft gebracht ist. Das war die Tat Hegels.

Die politischen Umwälzungen, die sich jetzt daraus ergeben, kann nur der abschätzen, der sich in Hegels Denkwelt einhaust, denn in ihr ist die Ungereimtheit (Aporie) der Kant’schen Philosophie in der Erkenntnis überwunden, daß das Denken nicht eine Äußerung unserer Subjektivität ist, sondern die Bewegung der Sache selbst, des “Dinges an sich” (Gottes), ist.

Die Todesnot der Menschenwelt, die uns anspringt, wenn wir die Nachricht hinter den Nachrichten vernehmen, ist in das zu wenden, was seit etwa 150 Jahren in den blutigen Wehen des Geistes sein Kommen ankündigt: die selbstbewußte Volksgemeinschaft, wie sie Hegel als sittlicher Staat gedacht hat, und die im vorauseilenden Daseinsgefühl das Deutsche Volk zu jenen Wundern befähigte, von denen die Welt spricht. Als Spätkömmling im Konzert der europäischen Mächte haben die Deutschen, ohne über Raubgold und gewaltsam annektierte Rohstoffquellen zu verfügen, sich in nur 2 Jahrzehnten zur führenden Industriemacht entwickelt. Dem Versuch des Britischen Weltreichs, im Bündnis mit Frankreich, Rußland und Italien das Deutsche Reich zu zerschlagen, hat dieses bis zum Eingreifen einer raumfremden Macht, der Vereinigten Staaten von Amerika, erfolgreich standgehalten. Der Willkür seiner siegreichen Feinde trotzend hat sich das Deutsche Volk 1933 erhoben, das Versailler Diktat zerrissen, um seine Ehre mit dem Degen wiederherzustellen. Aus dem Zustand totaler Entwaffnung ist es innerhalb von nur 5 Jahren als stärkste Militärmacht der Welt auf die Bühne der Geschichte zurückgekehrt. In einem 6 jährigen grauenvollen Krieg hat es von 1939 bis 1943 durch glänzend siegreiche Feldzüge die Welt in Staunen versetzt, bis seine militärische Kraft und sein Kampfgeist an der von den USA mit Waffen, Munition und Gerät ausgerüsteten Ostfront brachen.

Doch auch nach der innerhalb eines halben Jahrhunderts erlittenen zweiten totalen militärischen Niederlage hat sich die Volkskraft der Deutschen abermals gezeigt. In nur 15 Jahren ist es – ungeachtet der Dezimierung seines Bestandes sowie der Abtrennung eines Viertels seines Heimatbodens – aus Trümmern wieder zu einer Industrie- und Handelsmacht erster Ordnung aufgestiegen.

Wer meint, diese Leistung sei aus der „Materie“ und nicht aus dem Geist erwachsen, der ist auf dem Holzwege.

Dieses Volk ist zu weiteren Großtaten berufen. In ihm schlummern alle Fähigkeiten, um der Welt den Weg aus der Katastrophe zu zeigen. Es ist sein Geist, der die Rettung bringt. Er wird seine Kraft abermals zeigen, wenn er jetzt zu sich findet. Im Hegelschen Denken ist er zwar schon bei sich. Aber er ist so der Geist einer neuen Ordnung erst an sich. Er hat sich noch nicht als eine Neue Welt auseinandergelegt, in der er erst auch für sich wird. Aber erst als Welt bezwingt der Geist den Zeitgeist.

Es ist nun eine Vorstellung von dem zu geben, worum es geht und was die Seminaristen erwartet. Ausgangspunkt ist etwas Vertrautes: das Bewußtsein nämlich, daß unser Zeitalter von der Aufklärung geprägt ist.

Prinzip der Aufklärung: Rechtfertigung aller Existenzen des Geisterreiches vor der Vernunft als Bedingung der Freiheit.

Kriterium der Rechtfertigung: Descartes’ „cogito ergo sum“ als erste und absolute Gewißheit, in die die Welt, wenn sie ist, einzubeziehen ist; aber die dann als Wahnvorstellung abgetan werden muß, wenn sie sich nicht in dieser Weise einbeziehen läßt.

Die Welt, Gott und damit das Verhältnis des endlichen Geistes zum unendlichen Geist (Religion) war im Zweifel untergegangen. Geblieben war nur das Denken als solches. Dieses ließ sich nicht im Zweifel ertränken. Denn der Zweifel selbst ist Denken. Dieses erhält sich in ihm.

In jenem Satze des Descartes ist nur erst das Denken überhaupt als Rechtfertigung des Seins ausgesprochen. Dieses ist in den einen Punkt, der ICH ist, zurückgenommen. Ob daraus eine Welt entsteht, ist hier noch eine offene
Frage. Der Unterschied und Gegensatz des Verstandes als des endlichen Denkens zum unendlichen, der Vernunft, ist – obwohl schon vorhanden – in ihm noch verhüllt.

Es wird sich zeigen, daß die französischen Rationalisten das Programm der Aufklärung nicht verwirklichen konnten, weil sie den Alltagsverstand, also das naive Denken, wie wir es alle kennen, für das Höchste hielten und mit der Vernunft, die noch ein ganz anderes Denken ist, noch keine Bekanntschaft gemacht hatten.

Das verständige Denken, das sich in der Betrachtung der Natur als „nur Natur“ im Sinne des Inbegriffs aller endlichen Dinge bildete, verendet den Geist, damit den Menschen als geistiges Wesen.

Der Verstand rechtfertigt nicht, er vernichtet die Welt des Geistes.

Das verständige Denken ist das Wesen der Unfreiheit und zugleich der Wegbereiter der Befreiung: Das Selbstbewußtsein der Vernunft (absolutes Wissen) tritt erst ein, wenn der Verstand sein Reich vollendet hat und eben darum seine Einseitigkeit erkennt.

Hatte der europäische Mensch vor der Thronbesteigung des Verstandes auf den Barrikaden von Paris im Glauben an Gott durchaus ein geistiges Leben, so wurde er nun von der Aufklärung mit dem Besen des einseitigen Denkens auf den Misthaufen „des selbstmörderischen Nihilismus“ (Nietzsche) gekehrt. Von dort aufersteht das gekreuzigte Individuum jetzt in der Deutschen Volksgemeinschaft als Person.

Die französische Aufklärung ist gescheitert am endlichen Denken. Sie erfährt jetzt ihre Rechtfertigung im praktischen Vollzug des unendlichen Denkens der deutschen idealistischen Philosophie. Seine Gestalt ist der Befreiungskampf des Deutschen Volkes gegen einen Feind, der in ein und derselben Rücksicht sowohl äußerer als auch innerer Feind ist.

Dieser Feind ist eine Gestalt des Geistes, deren äußeres Dasein uns gegenwärtig als die Globalmacht des Geldes entgegentritt, dessen inneres Dasein das System der zeitgeistlichen Dogmen ist, das unser Bewußtsein zum Götzendiener Mammons degradiert.

Der Deutsche Befreiungskrieg ist die Fortsetzung der Lutherischen Reformation und seinem Wesen nach nichts anderes als die Rechtfertigung des Glaubens an Gott durch die Vernunft.

In diesem Befreiungskrieg steht das Deutsche Kolleg auf dem wissenschaftlichen Standpunkt: „Mein Wissen soll mein Handeln bestimmen. Nichts Geistiges soll gelten, das ich nicht einsehe, denn nur das, was ich einsehe, anerkenne ich als mein Wissen .“

Wir lehren also nicht auf Glauben hin, daß die Welt, der Staat, das Volk, die Nation so oder anders beschaffen seien, oder gar wie sie beschaffen sein sollten. Wir vermitteln in erster Linie nur Kenntnisse über unser Denken. Diese mag man annehmen oder auch nicht. Es sind dann diese Kenntnisse über unser Denken, die nach entsprechender Einübung uns in die Lage versetzen, Gegenstände wie ICH, Gott, Volk, Staat , Nation, Geschichte und Politik sowie deren notwendige – d.h. innere – Beziehung und Bewegung zu erkennen, oder genauer: die unsere Vorstellungen, die wir von diesen Gegenständen schon immer haben, als abzulegende Vorurteile erweisen, – Vorurteile die unser Denken in Fallen locken und unser Handeln – insbesondere im politischen Raum – fruchtlos machen.

Es sind also nicht Resultate die wir lehren. Und wir fordern nicht die Annahme von Lehrinhalten aufgrund von Autorität oder Glaubensgebot.

Wir führen auf Denkwege.

An deren Ende finden wir zu Resultaten, die den gewählten Ausgangspunkt und jeden Schritt, den wir getan haben, im Denken rechtfertigen.

So werden die Ergebnisse zu desjenigen eigenem Wissen, der im eigenen Denken den Weg zu ihnen zurückgelegt hat. Seine Überzeugung beruht dann nicht mehr auf Glauben oder Erfahrung und Wahrscheinlichkeitsrechnungen, sondern ist von der Art, auf die Cartesius zuerst aufmerksam gemacht hat. Sein Satz „cogito (ergo) sum“ ist die sich selbst offenbare Wahrheit (absolutes Wissen), der erste Gedanke Gottes.

Die Wanderung des Denkens durch sich selbst hindurch ist Verrückung unseres Bewußtseins aus seinem zeitgeistlichen Ort auf die Ebene des Erkennens der absoluten Wahrheit. Platon hat in seinem Höhlengleichnis unter dem Eindruck von Sokrates’ Ermordung die Gefährlichkeit dieser Ortsveränderung aufgezeigt. Jeder, der die Verrückung mit sich vollzieht und dadurch anderen als „verrückt“ erscheint, begibt sich deshalb in Lebensgefahr. Aber die Verrückten werden sich durchsetzen, weil sie in Wahrheit leben und die Wahrheit unsterblich und die Macht ist, sich selbst zu verwirklichen, d.h. sich als Welt zu setzen.

Wovon also ist die Rede?

Jeder Mensch denkt. Denken macht das Tier zum Menschen. Aber weiß jeder Mensch darum schon „wie Denken funktioniert“? Jedem Menschen ist sein Denken bekannt, aber was bekannt ist, ist darum noch nicht erkannt.

Jeder Mensch nimmt aus der Umwelt Nahrung auf, verdaut sie und erhält sich so am Leben, ohne die Gesetzmäßigkeiten des Stoffwechsels studiert zu haben. Gleichwohl unterhält die Gemeinschaft teure Einrichtungen, die das Studium der Medizin und damit der Stoffwechselphysiologie ermöglichen, fördern und vermitteln. Das alles nicht nur, um menschlichen Wissensdrang zu befriedigen, sondern um Ärzte zu haben, die stoffwechselbedingte – sehr oft lebensbedrohende – Krankheiten heilen können.

Vor dem Bauch gehen wir demütig in die Knie: studieren die Eingeweide, analysieren die Säfte, damit uns die Behandlung einer Verstopfung nicht zur Mißhandlung des Körpers gerate.

Dem, was uns am vertrautesten ist, dem Denken, lassen wir diese Ehre nicht angedeihen. Da wird nicht analysiert, nicht differenziert und nicht integriert, sondern einfach drauflosgedacht, als ob uns Weisheit im Schlafe gegeben worden wäre. So räsonniert in Staatsdingen ein jeder wild drauf los, wie es ihm gerade einfällt. Und wehe, man versäumt es, dem meinungspluralistischen Quark, der dabei herauskommt, mit ernster Miene seine Reverenz zu erweisen! Sofort wird man als eingebildeter Meinungsdiktator angegriffen.

Gerade dieser Tage hat die Deutsche Stimme (Nr. 3/2002 S. 5) wieder einmal einen Cocktail aus Aristoteles, Thomas Hobbes und Georg Wilhelm Friedrich Hegel kredenzt, geradeso als könnten die sich vertragen. Aristoteles und Hegel als Doppelpack könnten wir uns noch gefallen lassen. Aber Hobbes und seine Vertragstheorie der freiwilligen Unterwerfung unter einen Despoten (Leviathan) ist der Selbstmord der Freiheit im räuberischen Geiste des angelsächsischen Nützlichkeitsdenkens. Wenn im sogenannten Nationalen Lager noch nicht einmal ein Bewußtsein davon vorhanden ist, daß die Denkwelt des Thomas Hobbes das Abbild der bürgerlichen (liberal-kapitalistischen) Gesellschaft ist, die zur politischen Aktion zum Zwecke ihrer Überwindung herausfordert, dann ist das das deutlichste Zeichen des manifesten Hirntods dieses „Lagers“.

Gegen dieses Übel ist zuallererst die Zucht des Denkens in Stellung zu bringen.

Was erwartet uns?

Reinhold Oberlercher wird uns einen hochverdichteten Extrakt des Hegelschen Systems, voran der logischen Idee, einflößen.

Niemand sollte den Anspruch an sich stellen, zu verstehen, was er vorträgt. Wer sich so einstellt, wird schon nach wenigen Sätzen fluchend den Seminarraum verlassen – und nie wiederkehren, sondern auf dem Marktplatz der Meinungen die „Erfahrung“ feilbieten, daß Oberlercher und seine Freunde übergeschnappt seien.

Am besten kehren wir in unser Beispiel aus dem Bereich der Medizin zurück. Bevor der Student der Medizin ein Bild vom Ganzen des lebenden Körpers erlangen kann, schneidet er Leichen auf, um die vielen verschiedenen Knochen, ihre Beschaffenheit und Lage kennenzulernen. Langsam entsteht in ihm die Vorstellung von einem Skelett. Und er befühlt die sich um die Knochen windenden Muskelstränge, verfolgt im Muskelgewebe den Lauf der Blutgefäße usw. bis er schließlich den Anblick eines lebenden Körpers mit seinem geistigen Auge zu durchdringen und alle gesehenen oder nur gewußten Teile zu einem pulsierenden Organismus zusammenzufügen vermag.

Auf dem Wege zu diesem Können muß der Student sich die Formen und Namen von mehreren Hundert Knochen einprägen, von Tausenden von Muskelsträngen und Blutgefäßen usw. Er muß gleichzeitig die Funktionen dieser Köperteile und ihr Zusammenspiel vor sein geistiges Auge bringen. Vor allem: Um die erforderliche Sicherheit und Freiheit seiner Gedankenarbeit zu erlangen, muß er immer und immer wieder memorieren und anhand von gestellten Aufgaben üben, üben und nochmals üben.

Nicht anders ist es im Reich der spekulativen Philosophie. Sie will gründlich gelernt sein. Die Bekanntschaft mit ihr reicht uns nicht. Sie muß, wenn wir schöpferisch mit ihr umgehen wollen, völlig mit unserem Denken verschmelzen.

Das spekulative Denken, wie es Hegel als die eigene Tätigkeit des Geistes entdeckt hat, ist nicht auf Anhieb zu verstehen. Wohl lassen sich die zuerst von Hegel in einen inneren Zusammenhang gebrachten Denkbestimmungen in der richtigen Reihenfolge aufzählen. An einigen Stellen wird es vielleicht sogar gelingen, eine Vorstellung davon zu geben, daß und vor allem wie die Denkbestimmungen ein Eigenleben führen und – einem Trieb folgend – sich fortzeugen (Das ist jetzt keine Metapher, sondern eine exakte Beschreibung des spekulativen Prozesses.). Aber über eine allgemeine Bekanntheit mit dem Stoff werden wir am Anfang nicht hinausgelangen. Und was erst bekannt ist, ist noch lange nicht erkannt.

Die fortgesetzte Beschäftigung mit den Werken Hegels – unverzichtbar ist das Studium der Originaltexte – führt dann von der Bekanntheit zur Vertrautheit mit dem Stoff. Schließlich gelingen sporadische Einbrüche in seine Gedankengänge, bis sich allmählich ein Gefühl der Erleuchtung hinzugesellt, das dann zu einem nie versagenden Antrieb wird, tiefer und immer tiefer denkend in den Geist einzudringen. Das Studium der spekulativen Logik wird unversehens zum Gottesdienst. Das Bewußtsein weitet sich. ICH verändert sich, indem es sich erfährt als Eins mit der kosmischen Seele, der selbstbewußten Vernunft. Es erkennt sein Sein als Aufruf zur Gehilfenschaft Gottes in dessen Qual der Selbsterkennung.

Schließlich weiß ICH sich als unsterbliche Idee. Der Tod ist begriffen als Ende der Endlichkeit des Subjekts, als Durchgangspunkt zum ewigen Leben, welches der absolute Geist ist. Erkannt und deshalb erlebbar ist die Wahrheit des Bibelverses (1. Kor. 15,55) „Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“ Das spekulativ geläuterte Bewußtsein fürchtet weder Tod noch Teufel. Seine Zuversicht reicht über den eigenen Tod hinaus in der absoluten Überzeugung, daß die Geschichte der eigene Lebensprozeß des Geistes ist, der an sich festhält und mit Notwendigkeit das wird, was er immer schon war. Sein Reich wird kommen, im Himmel wie auch auf Erden. Amen.

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